9 1/2 Wochen. Erinnerungen an eine Liebesaffäre
von Elizabeth McNeill - ISBN 9783980610414
Taschenbuch, 148 Seiten
Veröffentlichung Jul 1999 bei Marterpfahl Verlag
Amazon-Verkaufsrang #33991
Bewertung 4.0/5.0 bei 8 Meinungen
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Autor: Elizabeth McNeill
ISBN 9783980610414
ISBN 3980610411 (alt)
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Kritik zu 9 1/2 Wochen. Erinnerungen an eine Liebesaffäre
zu intensiv fürs Leben vom 17.03.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 3 von 3 Besuchern hilfreich
vor vielen Jahren habe ich das dünne Buch zum ersten Mal gelesen -- und es war, nach der Geschichte der O, mein zweites Buch zum Thema SM. Damals habe ich es gelesen wie im Rausch und als ich es am Ende zur Seite legte, war ich nicht nur schockiert, sondern fühlte mich auch leer und erschöpft. Weil die geschilderte Geschichte so wahr und nah am Leben ist, dass es weh tut. Auch heute, über zehn Jahre später und mit weit mehr Abstand, ist es in meinen Augen noch immer die Diskrepanz zwischen Stil und Inhalt, die dem Text eine eigene Tragik verleiht: Geschrieben ist er in einer sachlichen, distanzierten Sprache, lakonisch und direkt, fast emotionslos -- und dabei geht es doch ausschließlich um Emotionen tiefster, existentieller und bedrohlicher Art; gerade deshalb überträgt die Intensität der Geschehnisse sich so nachhaltig auf den Leser. Zum Beispiel, wenn die Protagonistin schildert, was ihr Liebhaber alles für sie tat, wie er sie pflegte, wusch, fütterte, ankettete und schlug. Und auf der nächsten Seite folgt nur der eine Satz:
"Was ich tat: nichts."
In dieser Beschreibung steckt so deutlich genau das, was die Beziehung der beiden ausmacht: Es ist alles oder nichts. Etwas dazwischen gibt es nicht. Keine Kompromisse. Keine Grautöne. Eben deshalb packt der Mann jedesmal, wenn die Ich-Erzählerin sich (zunächst) weigert, einem seiner Befehle nachzukommen, ihre Sachen und droht die Beziehung zu beenden. Denn entweder sie gibt sich mit Haut und Haar. Oder überhaupt nicht. Und jedes Mal wieder trifft sie gegen ihre Vernunft, ganz ihrer Leidenschaft, ihrer Sucht gehorchend, die Entscheidung: Alles. Bis sie am Ende an diesem "Alles" fast zugrunde geht. Und das "Nichts" bleibt. So gesehen ist die Geschichte eine klassische "Amour fou" -- dramatisch, selbstzerstörerisch, sich unweigerlich in die Katastrophe hineinsteigernd.
Zufällig lernen die beiden Protagonisten sich auf einem Markt kennen, und im Rahmen ihrer ersten gemeinsamen Liebesnächte begeben sie sich mehr und mehr hinein in ein Leben jenseits ihres normalen Lebens. Die folgenden Szenen sind schnörkellos und sachlich geschrieben, daher im Grunde nicht erotisch und dennoch oder gerade deshalb für meine Begriffe umso fesselnder, umso erregender. So unter anderem der gemeinsame Kauf eines Bettes, bei dem die Protagonistin sich mit weit gespreizten Beinen im Geschäft vor der Verkäuferin auf das zu erwerbende Stück legen muss. Oder der Kauf einer Peitsche, die noch im Laden ausprobiert wird.
Niemals ist in diesem Buch die Rede von Sklavin, Herren, Regeln, Unterwerfung. Denn alles, was sich hier zuträgt, findet weit, weit weg statt von Szene und Inszenierung, von Phrasen und Clichés. Die Geschehnisse haben Ernst, Tiefe und Bedeutung. Und deshalb sind sie für die Ich-Erzählerin so zerstörerisch und gefährlich. Und für die Leserin so beunruhigend.
Diese Tiefe, Wahrhaftigkeit und Bedingungslosigkeit sind es auch, welche das Buch von anderen SM-Texten unterscheiden. Denn das hier Geschilderte behandelt ein uraltes Thema: die generelle Ausweglosigkeit und destruktive Kraft einer Beziehung (die eben nicht zwangsläufig (explizit) sadomasochistisch sein müsste), die zu intensiv ist, um sie in ein normales Leben zu integrieren. Daher weist das Buch über das Thema, das es oberflächlich betrachtet behandelt, hinaus und wird zu einem Stück wahrer Literatur.
978-3-980-61041-4, 978-3-9806-1041-4
978-3-98061-041-4, 978-3980610414, 978-3-98-061041-4
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