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Archäologie der Emotionen: Meine Suche nach dem Sinn im scheinbaren Unsinn des Lebens

von Ulrike-Amanda Herzog - ISBN 9783837028898

Broschiert, 336 Seiten
Veröffentlichung Apr 2008 bei Books on Demand Gmbh
Amazon-Verkaufsrang #177259
Bewertung 5.0/5.0 bei 2 Meinungen
neu: ab 20.90 Euro
gebraucht: ab 20.90 Euro
Autor: Ulrike-Amanda Herzog
ISBN 9783837028898
ISBN 3837028895 (alt)

Meinung der Redaktion zu Archäologie der Emotionen: Meine Suche nach dem Sinn im scheinbaren Unsinn des Lebens

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Kritik zu Archäologie der Emotionen: Meine Suche nach dem Sinn im scheinbaren Unsinn des Lebens

Auf der Suche nach der verlorenen Wahrheit vom 25.06.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
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Der Schriftsteller soll Bestie sein, kein zahmes Haustier. Er soll es im Leben schlecht haben, damit Literatur entsteht, die uns Lesern etwas gibt. So schrie es der Kritiker Oliver Jungen in seinem jüngsten FAZ-Artikel einer erstaunten Republik ins greise Gehör. Wenn er es ernst meint mit dem Verachten der Literaturpreise und dem ganzen Bussi-Bussi-Betrieb der heutigen Schreiberkaste, kann man ihm das neue Buch von Ulrike-Amanda Herzog empfehlen, denn diesem Text fehlt jede Verzärtelung durch wohlmeinende Mentoren.

Die Autorin ist eine lebensharte Alleinerziehende, die dem Schicksal trotzt und sich genug Energie bewahrt hat, um mit 50 Jahren ihr schriftstellerisches Debüt abzuliefern, in dem sie einiges anklagt, die ganze Hand in offene Wunden der Gesellschaft legt, vieles neu denkt und vor allem ihr eigenes Leben schonungslos der Öffentlichkeit präsentiert. Sie hatte Alkoholprobleme, man diagnostizierte bei ihr im Erwachsenenalter ADHS. Ihre drei Kinder sind von drei verschiedenen Männern. Geld ist nicht im Übermaß vorhanden. Mit dem Hauptschulabschluss entließ sie das deutsche Bildungssystem in die freie Wildbahn. Sie hatte es nicht einfach. Doch sie gab sich nicht auf. Sie las sehr viel und schaffte es, ein Buch zu schreiben, das viele Punkte des herrschenden Diskurses berührt.

Es beginnt mit dem Titel. Eine Archäologie der Emotionen" hätte auch Michel Foucault vorlegen können. Hier wird tief gegraben. Liebe wird ganz szientistisch als Serotoninmangel, als chemisches Phänomen vorgestellt. An einer Stelle bemerkt Frau Herzog, dass heute kein entweder-oder" mehr angesagt ist, sondern ein postmodernes sowohl als auch". Das Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom schreibt die Autorin sehr bedenkenswert um: Sie fragt, ob denn nicht die Kinder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, ob wir alle eben nicht bewusst genug sind, ob uns allen nicht die Aufmerksamkeit fehlt, ja, sie unterstellt uns Konsummenschen ein falsches Bewusstsein, wie es die Frankfurter Schule auch nicht anders formuliert. Interessant und sehr luzide ist die Bemerkung von der Medizin als Religionsersatz. Herzog behauptet, die Wissenschaft wäre heute an der Macht, sie habe den Platz eingenommen, den früher die Kirche innehatte. Rauchverbot, Ökosteuer, fit statt fett, da könnte etwas dran sein. Und die Schriftstellerin gibt sich als Ketzer und Revolutionär, wenn sie die Macht der Halbgötter in Weiß nicht anerkennt und ihren Kindern Impfungen und Medikamente größtenteils erspart.

Eine Sache ist besonders bemerkenswert. Ulrike-Amanda Herzog ist auf der Suche nach der Wahrheit, dem einen unverbrüchlichen Ganzen, der Substanz, die hinter dem scheinbaren Unsinn des Lebens steht. Damit nimmt sie eher Partei für Heidegger, für das deutsche Eigentliche und weist klar Richard Rortys amerikanischen Relativismus zurück, der so weit geht, der Wahrheit überhaupt das Existenzrecht abzusprechen. Für diesen Mut, auch wenn er der Autorin eventuell gar nicht bewusst ist, gebührt ihr Anerkennung. Es ist sehr zu hoffen, dass diese philosophische Position auf Dauer wieder mächtiger wird.

Man liest das Werk mit offenem Mund. Die Mischung aus Esoterik, Physiologie, Soziologie, Philosophie und Persönlichem ist einfach verblüffend. Denn, auch wenn man anfangs arrogant und herablassend auf diese Unbekannte aus dem Nichts schaut, die weder ein Diplom, noch ein Werk, noch einen Namen, noch eine fixe Denkschule nachweisen kann, so gewinnt man als Leser doch Stück für Stück Vertrauen. Man merkt, dass man es hier mit keiner Expertin für irgend etwas zu tun hat, mit keiner professionellen und geschliffenen Maskenträgerin, sondern mit einem Menschen, wie er so nackt und so ursprünglich in der von Oliver Jungen angeprangerten Gegenwartsliteratur heute eben nicht mehr vorkommt.

Frau Herzog besitzt die Gabe der unbedingten Authentizität. Man erkennt Originale an ihren Fehlern. So ist es bei Perserteppichen. Und so ist es bei Schriftstellern. Sie steht zu ihren Fehlern. Sie weiß, dass sie nicht perfekt ist. Diese Literatur kommt nicht aus der Konserve, sie ist nicht maschinengefertigt, nicht PR-Agentur- optimiert, man hat ihr keinen Filter aufgesetzt, es wurden keine medientechnischen Veränderungen vorgenommen. Es ist ein Text aus dem Ursprung. Von Mensch zu Mensch. So sieht kommunikatives Handeln aus.

Weitere ISBN:
978-3-837-02889-8, 978-3-8370-2889-8
978-3-83702-889-8, 978-3837028898, 978-3-83-702889-8
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