Auszug aus dem Schneckenhaus, Praxis-Impulse für eine verheißungsvolle Gemeindeentwicklung
von Burghard Krause - ISBN 9783761549131
Taschenbuch, 304 Seiten
Veröffentlichung Jun 1998 bei Aussaat
Amazon-Verkaufsrang #151657
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Autor: Burghard Krause
ISBN 9783761549131
ISBN 376154913X (alt)
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Kritik zu Auszug aus dem Schneckenhaus, Praxis-Impulse für eine verheißungsvolle Gemeindeentwicklung
Wertvolle Hinweise und eine Fülle praktischer Ideen - teilweise etwas zu stark methodisiert vom 26.07.2007
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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Viele Gemeinden spüren unmittelbar, daß sich das Bindungsverhalten und der Lebensrhythmus in unserer Gesellschaft verändert haben. Aus Angst vor Vereinnahmung scheuen immer mehr Menschen davor zurück, sich hinsichtlich ihrer Teilnahme oder Mitarbeit bei regelmäßigen Veranstaltungen langfristig festzulegen. Zugleich läßt sich beobachten, daß sich die Zeitabstände für sich wiederholende Aktivitäten verlängern. Was früher z.B. wöchentlich unternommen wurde, wird nun monatlich vollzogen (vgl. Seiferlein, 100ff).
Als Antwort auf die veränderte Situation wird schon seit längerem das Angebot zeitlich begrenzter Projekte in der Gemeindearbeit diskutiert. Dabei stellen sich m.E. besonders folgende Fragen: Ist eine projektorientierte Gemeindeentwicklung als Alternative zur weithin bestehenden "Gruppen-Kirche" zu denken? Oder lassen sich Projekte und traditionelle Gemeindearbeit sinnvoll aufeinander beziehen? Und vor allem: Welche Ekklesiologie verbirgt sich hinter der jeweiligen Konzeption?
Burghard Krause hat den Band "Auszug aus dem Schneckenhaus" als "Werkbuch für die Gemeindearbeit" geschrieben (9). Es ist aus langjährigen Erfahrungen in und mit Gemeinden hervorgegangen, die der Verfasser als Leiter der Deutschlandarbeit des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen (ELM, Hermannsburg) und in Zusammenarbeit mit dem "Freundeskreis Missionarische Dienste" (FMD) in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers gesammelt hat.
Hauptkennzeichen der "Verheißungsorientierten Gemeindeentwicklung" ist der in dieser Bezeichnung bereits genannte verheißungstheologische
Ansatz. Krause wendet sich damit gegen eine weit verbreitete Mangelfixierung, die allzu schnell dazu führt, der Macht des Faktischen zu erliegen. Stattdessen möchte er "Orientierungshilfen" geben, "die uns wieder an den weiten Horizont der Verheißungen Gottes gewöhnen" (13).
Gewissermaßen anhand einer "Theologie der Verheißung" bietet Krause auf 20 Seiten eine ausgezeichnete ekklesiologische Grundlegung (13-33). Die Wirklichkeit der Kirche Jesu Christi kommt erst dann recht in den Blick, wenn sie im Zusammenhang mit den Möglichkeiten Gottes gesehen wird. Der "aktualistische, ereignishafte Kirchenbegriff" Luthers verdeutlicht, daß die Kirche in erster Linie "creatura verbi" ist (vgl. Jes 55,11). Von hier aus wird die Grundfrage jeder Ekklesiologie beantwortet, nämlich die Frage nach dem Verhältnis von geglaubter und erfahrener Kirche zueinander: Die geglaubte Kirche ist nicht die Idealkirche, die anklagt und Menschenanstrengung fordert; sie ist auch nicht einfach identisch mit der "ecclesia invisibilis". Vielmehr gilt aufgrund des "inkarnatorischen Zuges" der Verheißungen Gottes: "Die geglaubte Kirche ist die ständige Verheißung der erfahrenen Kirche ... [Sie] will als Gottes Werk immer wieder in der erfahrenen Kirche erwartet werden" (16).
Der Einsatz bei den Verheißungen Gottes führt zur Entlastung auf seiten des Menschen; in erwartungsvoller Gelassenheit weiß er die ErNeuerung der Kirche in Gottes Hand. Gott ist Subjekt, auch wenn er uns - der dialogischen Struktur seiner Verheißungen entsprechend - in sein Handeln hineinnimmt und Gemeindeaufbau insofern eine cooperatio von Gott und Mensch ist.
Die der Kirche von Gott gegebenen Verheißungen lassen sich mit den Stichworten 1) Glaube, 2) Gemeinschaft, 3) Gaben und 4) Dienst zusammenfassen. Diesen "Verheißungsmerkmalen" der Kirche entsprechen "vier Mandate des Gemeindeaufbaus", wobei der Begriff "Mandat" für "eine Beauftragung, die durch Gottes Verheißungen freigesetzt wird, eine durch Gottes Zusagen eröffnete Ermächtigung zu einem bestimmten Tun" steht (S.26): 1) Einladen (Glauben wecken und vergewissern), 2) Teilgeben (Partizipatorisch gelebtes Christsein gestalten), 3) Befähigen (Missionarische Kompetenz entwickeln) und 4) Anleiten (Ganzheitlich-
weltbezogene Nachfolge einüben).
In einem zweiten Hauptteil gibt Krause konkrete Impulse, wie die genannten vier Mandate in die Praxis umgesetzt werden können (34- 78). Dabei wird jeweils auf Intention, Inhalt und Gestalt der Impulse eingegangen. Im einzelnen handelt es sich um das Gemeindeseminar zu Grundfragen des Glaubens "Christ werden - Christ bleiben" (Mandat 1: Einladen), ein Forum der Begegnung und Begleitung im Glauben: "Der Gemeinde-Treff" (Mandat 2: Teilgeben), um sieben Workshops zur Einübung in ein weltzugewandtes Christsein: "Auszug aus dem Schneckenhaus" (Mandat 3: Befähigen) und um eine Weggemeinschaft auf Zeit zur praktischen Erprobung des Evangeliums: "Die Nachfolge- Gruppe" (Mandat 4: Anleiten).
Besonders wichtig erscheint mir, daß die vier Impulse als "offenes System" verstanden werden, die durch "Türen und Korridore" miteinander verbunden sind: "Dadurch wird auch Quereinsteigern die Chance zur Einfädelung in den Regelkreis einer verheißungsorientierten Gemeindeentwicklung eröffnet" (78). Mit anderen Worten: Krause geht es nicht um eine Aneinanderreihung von unverbundenen Projekten. Vielmehr sollen die genannten Impulse dazu dienen, die Gemeinde als Lebensraum lieb zu machen. Bestehende Gemeindegruppen müssen also nicht in Konkurrenz zu ihnen gesehen werden, sondern können z.B. im Gemeinde- Treff integriert werden.
Im dritten Teil wird unter dem Titel "Auszug aus dem Schneckenhaus" zu den sieben Workshops zur Einübung in ein weltzugewandtes Christsein eine Fülle von Material vorgestellt, das nach dem "Baukasten-Prinzip" anzuwenden ist. Dieser Teil umfaßt mehr als 2/3 des Buchumfangs (79-302) und stellt eine wahre Fundgrube dar, die auch unabhängig von der Durchführung eines Workshops in anderen Zusammenhängen der Gemeindearbeit etwa zu den Themen "Sprachfähigkeit im Glauben", "Gaben entdecken" oder "Gottesdienst" hilfreich sein kann. Zu den Workshops kann man außerdem eine Arbeitsmappe mit Kopiervorlagen beim Aussaat-Verlag bestellen.
Das Buch ist aufgrund der guten Untergliederungen sowie der vielen Graphiken und Übersichten sehr lesefreundlich gestaltet. Daß Methodisierung auch Nachteile hat, verraten z.B. die Überschriften der einzelnen Abende des Gemeindeseminars oder der verschiedenen Workshops: "Von ... - und wie ... [man das erreicht]". Entgegen der theologischen Grundlegung könnte man dahinter eine amerikanische "How-to-do-Mentalität" vermuten, die bei richtiger Anwendung der Methode den Erfolg bereits garantiert sieht.
Insgesamt bietet Krause wertvolle Hinweise für die eigene Perspektive in der Gemeindearbeit und eine Fülle praktischer Ideen.
Thomas Steinke
Ichthys 26 (1998), 69-72
978-3-761-54913-1, 978-3-7615-4913-1
978-3-76154-913-1, 978-3761549131, 978-3-76-154913-1
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