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Billig: Wie die Lust am Discount Wirtschaft und Gesellschaft verändert

von David Bosshart - ISBN 9783636015082

Broschiert, 184 Seiten
Veröffentlichung May 2007 bei Redline Wirtschaftsverlag
Amazon-Verkaufsrang #168255
Bewertung 4.0/5.0 bei 5 Meinungen
neu: ab 11.00 Euro
gebraucht: ab 4.95 Euro
Autor: David Bosshart
ISBN 9783636015082
ISBN 3636015087 (alt)

Meinung der Redaktion zu Billig: Wie die Lust am Discount Wirtschaft und Gesellschaft verändert

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Kritik zu Billig: Wie die Lust am Discount Wirtschaft und Gesellschaft verändert

Der billige Jakob und alle Probleme, die er automatisch mitverkauft. vom 16.07.2007
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 6 von 6 Besuchern hilfreich

Das Buch entspricht dem Titel in großen Teilen: schnell geschrieben, mit Fehlern und oft unverständlichem Denglisch, wie eine Seminararbeit inkl. fortlaufend unleserlichen Fußnoten. Es wirkt in der Aufmachung und Darstellung irgendwie billig, trotzdem beschreiben die Inhalte unsere "Geiz ist Geil"- Mentalität bestens und was wir davon haben werden. Die Ausmaße von WalMart, dem amerikanischen Billigheimer, waren mir nicht bekannt. Sie sind erschreckend und haben mir eines klar gemacht: billige Preise sind die neue heilige Kuh des Kapitalismus, die solange gemolken wird, bis sie ausgezehrt stirbt. Der Autor hat keine Ahnung davon, was nach dieser Phase kommen könnte, er schreibt Dinge wie "der Echtzeitkonsument, bestens informiert, im Internet zu Hause etc.", aber es gelingt ihm keine Kurve weg bzw. ein Lösungsansatz, der einen Ausweg aus dem Dilemma zeigen könnte. Dabei liegt es auf der Hand, wenn man heute die kreative Kraft des Internet betrachtet. Für den Autor ist das Internet lediglich ein Verstärker dafür, dass die Preise noch stärker fallen, weil die Käufer besser informiert sind und den Handel besser durchschauen.

Der Autor beschreibt im Grunde den wirtschaftlichen Übergang von der Hersteller- zur Handelsmacht und mit welchen Mitteln Häuser wie WalMart oder Aldi vorgehen: Erpressung der Lieferanten zu immer stärkeren Tiefst-Dumping-Preisen, egal wie und wo die Waren produziert werden. Standardisierung auf größere Einheiten (Super Big Mac, Riesengurkenglas) und die Konzentration auf wenige Anbieter wie Aldi, Lidl und Amerika eben WalMart machen alle kleineren Händler platt. Dabei wird leider die kleinbäuerliche Landwirtschaftsstruktur durch gigantische Nahrungsmittelproduktionsbetriebe ebenso zerstört wie andere, kleine Handwerksbetriebe. Wir alle stehen diesen Entwicklungen nicht machtlos gegenüber, sondern können und werden sie - auch per Internet - demokratischer steuern und verhindern, dass Waren immer billiger von Sklaven und Kindern hergestellt werden. Ich gehe immer seltener zu Aldi oder Lidl, weil ich die Geschwindigkeit nicht mehr etragen kann, in der mir die Waren in den Korb geworfen werden und weil ich die übermüdeten Gesichter der Verkäuferinnen nicht mehr sehen kann. Bei WalMart verdient man z.B. 8,50 US Dollar die Stunde, das kann doch im Interesse von niemandem mehr sein. Die Wirtschaft klemmt sich damit doch den eigenen Lebensnverv ab, Menschen können bald nichts mehr einkaufen bzw. sind auf noch niedrigere Preise angewiesen. Ein Teufelskreislauf, mit dem wir uns über die Globalisierung auf immer neue Sklaven in Schwellenländern verlassen müssen.

Das Buch erhält von mir trotzdem 5 Punkte, weil es begeisternd geschrieben ist bzw. ein wirkliches Anliegen hat. Ich denke, dass wir alle zu sehr bei Autoren auf 100i%-ige Exaktheit pochen. Die gibt es nicht mehr, Fehler sind Stufen zur Optimierung, diese Sichtweise wird beim Arbeiten im Internet immer deutlicher. Mir ist mit diesem Buch klar geworden, dass nicht Inflation unser Problem sein wird in nächster Zukunft, sondern eine auszehrende Deflation. Konzerne machen heute unvorstellbare Gewinne - weit höher als zu Zeiten der beginnenden Industrialisierung - und sie führen einen vernichtenden Krieg gegen den Mittelstand bzw. alle nicht-organisierten, kleinen Gewerbetreibenden. Unsere Politik macht nichts anderes, als es Konzernen und allen Heuschrecken noch einfacher bzw. preisgünstiger zu gestalten. Die Zeche zahlen wir: durch mehr Arbeit, weniger Lohn und ein Lebensgefühl, das über die Geiz ist Geil-Mentalität uns alle an den Rande des "Soeben noch so Überlebens" bringt. Es ist an uns, diese Entwicklung zu bremsen und wieder ein Gefühl für regionale Hersteller und menschliche Preise zu entwickeln. Jeder muss heute in diesem Sinne selbstständig denken, handeln und über das Internet entstehen mehr und mehr Mechanismen, uns allen klar zu machen, welche versteckten Kosten (z.B. Kinderarbeit, Mobbing) in Produkten enthalten sind. Politiker sind m.E. heute durchaus aufgerufen, Schutzzölle für Waren zu erheben und diese Waren danach zu besteuern, mit welchen menschlich Un-Kosten sie entstanden sind. Wenn sie es nicht tun, werden wir Mechanismen dafür aufbauen, die über das Internet - so hoffe ich - schneller zur Verfügung stehen. Damit wären wir dann an der dritten Stufe einer Entwicklung, die langfristig kommen wird: der Übergang von der Handels- zur Käufermacht. Wir, die Käufer werden auch zu Herstellern, zu Produzenten, die über das Internet mit Menschen weltweit in Austausch treten: fair, sich des Wertes bewußt, menschlich und daran interessiert, dass wir alle selbstbestimmt leben können. Endloses Wachstum will niemand, der Super Sized XXL Burger wird bald ein Anachronismus sein, das innere Wachstum wird Menschen zueinander bringen, die sich wieder auf ihre eigenständige Rolle als Souverän besinnen und kreativ sein werden. Dazu gehört z.B. auch der kleine Gemüsegarten hinter dem Haus.

Weitere ISBN:
978-3-636-01508-2, 978-3-6360-1508-2
978-3-63601-508-2, 978-3636015082, 978-3-63-601508-2
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