Cook: Die Entdeckung eines Entdeckers
von Tony Horwitz - ISBN 9783492244732
Taschenbuch, 703 Seiten
Veröffentlichung Feb 2006 bei Piper
Amazon-Verkaufsrang #3074
Bewertung 4.5/5.0 bei 14 Meinungen
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Autor: Tony Horwitz
ISBN 9783492244732
ISBN 3492244734 (alt)
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Kritik zu Cook: Die Entdeckung eines Entdeckers
Hor-witziger Törn mit einem großen Weltumsegler vom 30.05.2008
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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Geschichten um die großen Entdeckungen übten auf mich immer schon eine anziehende Faszination aus - ganz gleich, ob es sich um fantastische Abenteuer eines Jules Verne handelte oder um reale Entdeckungsgeschichte. Cooks insgesamt fast 10 Jahre dauernden drei Reisen in bis dahin unbekannte Weiten, nahezu die letzten großen Entdeckungsreisen der Welt, finden kaum ihresgleichen. Ihm und seinen jeweiligen wissenschaftlich interessierten Begleitern verdankt die Welt ein umfassendes, heutigen Standards immer noch durchaus angemessenes kartografisches Werk der von ihm befahrenen Routen und Länder, ein unglaubliches Spektrum an geografischen, meteorologischen, seehydrographischen, astronomischen und ethnografischen Fakten und Erkenntnissen und eine Fülle an Dokumentationen neu entdeckter Flora und Fauna.
Ich habe mich in der Vergangenheit ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt, jetzt hat mich Horwitz` äußerst populär geschriebene Variante für sich eingenommen. Für jederman klar und leicht verständlich beschriebene, in vielen Details ausgearbeitete und trotzdem recht kompakt gebliebene historische Fakten über Cook, dessen Begleiter und die drei Weltreisen wurden verbunden mit den trocken-humorigen, anschaulichen Schilderungen des Autors über sich und seinen Selbstversuch, die eigenen kleinen Fußstapfen in die von Cook großartig vorgezeichneten Spuren im Hier und Heute zu stellen - mit Eindrücken seiner Vor-Ort-Stipvisiten an prägnanten "Cook-Points" und im Hinblick auf einen Kurztörn sogar am eigenen Leib gemachten Segelerfahrungen auf dem für jederman buchbaren australischen Endeavour-Nachbau. Alles samt und sonders recht gelungene Brückenschläge zwischen dem 18. und 21. Jahrhundert, die dem Leser dieses Buch niemals langweilig werden lassen und mir ungeachtet der Vorkenntnis des historischen Basisstoffes gut gefallen haben.
Die die Gegenwart in Natur, Urbanität, Gesellschaft und Politik betreffenden Fakten mögen auf den ersten Blick satirisch, ja schwarzmalerisch überspitzt erscheinen. Die Realität jedoch, sprich die bereits damals (auch von Cook selbst durchaus erkannten) wie noch heute sichtbaren Folgewirkungen einer eigentlich immer erbärmlichen Zivilisierung und Kolonialisierung entdeckter "natürlicher Paradiese", sieht - nüchtern betrachtet - wirklich absolut depremierend aus. Insofern stellt Cooks Geschichte allerdings nur einen von jenen vielen Mosaiksteinen dar, die "unseren" allgegenwärtigen, Natur und Lebewesen verachtenden, oft genug gedankenlosen Frevel am und auf unserem einzigartigen blauen Planeten widerspiegeln. Der Leser, der Mensch an sich, darf sich nach dieser Lektüre selbstkritisch hinterfragen, ob er eigentlich seine selbstherrlich als "schöpferisch" bezeichnete "Intelligenz" wirklich jemals in den Dienst positiver Entwicklungen gestellt hat bzw. ob er dazu überhaupt in der Lage war, ist oder je sein wird. Die Antwort muss schlichtweg "never ever" lauten. Muss man dementsprechend sagen: "Kein Wunder also, dass Horwitz und sein ihn begleitender Spezi Roger die zumeist gemeinsam heimgesuchten Rechercheorte nur mehr oder weniger trunken ertragen konnten ..."? Heitere Würze, gewiss. Die ernsten Hintergründe werden damit nicht unbedingt übertüncht, eher sogar unterstrichen. Aber auf Dauer wirkt dieser Kniff doch literarisch etwas hilflos und ermüdend. Da schillert wohl Horwitz` "Australiens Outback" durch, das in weiten Teilen ebenso von schrägen Typen, heruntergekommenen Orten und Suff "zu leben" scheint.
Die Darstellung der historischen Figuren bleibt bei aller Wertschätzung wie auch kritischen Betrachtung durch den Autor etwas blass. Im speziellen Bezug auf Cook mag das daran liegen, dass kaum tiefer gehende Dokumentationen zu dessen privater Persönlichkeit existieren. Viele Dokumente wie Logbuchteile, persönliche Aufzeichnungen und Briefe wurden auf und nach seinen Reisen zensiert, vernichtet oder gelten ggf. als verschollen. Damit bleibt Horwitz` fangemäße "Entdeckung des Entdeckers" insoweit zwangsläufig auf Altbekanntes beschränkt. Auf Grund seines neuen, geschichtsverarbeitenden aktuellen Blickwinkels tut das jedoch dem Ganzen kaum Abbruch.
Fazit:
Kaufempfehlung für Entdeckungswillige!
Besonders für Neueinsteiger könnte eine solche lebendige Bearbeitung historischer Materie Appetit auf mehr machen. Und vielleicht gibt sie sogar manchem Leser Anregung, selbst einen "nachreisenden Selbstversuch" zu starten.
Schade nur, dass es im oder zum Buch keine (vergleichenden) Bildzeugnisse der von Cook bzw. Horwitz besuchten Orte gibt. Das lässt die Frage aufkommen: Hätte darunter etwa die Originalität der Schilderungen gelitten? Das wird sicherlich nur derjenige beurteilen können, der genau diese Orte selbst besucht hat.
Zusatzhinweis:
Im informativen Anhang des Buches findet sich neben Bibliographie und Namensregister zudem ein kapitelbezogen erläutertes Quellenverzeichnis über Drittliteratur und Internetlinks. Die vom Verlag zum Originaltitel erstellte Homepage bluelatitudes.com mit interaktiven Karten und einigen wenigen nicht gerade umwerfenden Fotos existiert inzwischen nicht mehr, da Horwitz bereits ein weiteres Kapitel Geschichte beackert hat: Die Entdeckung Amerikas vor der Mayflower-Ära - soeben in Englisch erschienen unter dem Titel "A Voyage Long and Strange" (Hompage gleichen Namens vorhanden); in Deutsch geplant für August 2008: "Es war nicht Kolumbus: Die wahren Entdecker der Neuen Welt".
Wer ein bisschen auf Amazon gräbt, kann auch hier diverse Literatur zum Thema Cooks Weltreisen finden. Im Hinblick auf mitunter etwas trockene Fachliteratur u. a. Log- und Tagebücher der Reisenden oder weitere Biographien, wie im Quellenverzeichnis benannt. Vieles ist jedoch oftmals nur in Englisch vorhanden. Darüber hinaus ist auf sehr leicht verdauliche Kost von relativ nah an den historischen Fakten orientierten Romanen zu verweisen. Hierunter fallen z. B. "Wind und Sterne" von Hooker/Yeldham (unterhaltsame, kompakte, aber oberflächliche Darstellung aller drei Reisen, der lediglich der gleichnamigen TV-Serie nachgestaltet), "Südwinde" von Nicole Vosseler (die erste Reise verwoben mit einer fiktiven Liebesgeschichte) oder "Letzte Reise" von Anna Enquist (das Geschehen ab 1775/Heimkehr von der zweiten Reise aus der fiktiven Sicht von Cooks Ehefrau Elizabeth).
978-3-492-24473-2, 978-3-4922-4473-2
978-3-49224-473-2, 978-3492244732, 978-3-49-224473-2
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