Das Gehirn - ein Beziehungsorgan. Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption
von Thomas Fuchs - ISBN 9783170192911
Gebundene Ausgabe, 324 Seiten
Veröffentlichung Dec 2007 bei Kohlhammer
Amazon-Verkaufsrang #73846
Bewertung 5.0/5.0 bei 2 Meinungen
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Autor: Thomas Fuchs
ISBN 9783170192911
ISBN 3170192914 (alt)
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Kritik zu Das Gehirn - ein Beziehungsorgan. Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption
Unbedingt lesenswert vom 19.06.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 1 von 1 Besuchern hilfreich
Soviel vorweg: Das Buch ist ein Segen, sehr profund und brillant argumentiert und ausgezeichnet gegliedert. Und es empfiehlt sich für jeden zu lesen, der sich von den vermeintlichen Fortschritten der Hirnforschung inzwischen ermüdet fühlt, da sie bislang bei weitem nicht einlösen konnte, was sie in Aussicht gestellt hat: Nämlich das Gehirn, und daraus abgeleitet das Bewusstsein und Denken zu verstehen.
In wissenschaftlichen mainstream der Hirnforschung wird das Gehirn immer als eine Art ultrakomplexer Computer aufgefasst. Allerdings scheint es kaum jemanden zu irritieren, dass Computer nicht einmal im Ansatz irgendwie Bedeutungen kennen würden. Kein Computer weiß, was er auf seinen eigenen Schirm schreibt. Er zeigt nicht die Spur von Eigenheit oder Identität, während das Gehirn diese Eigenschaften fast nebenbei hervorbringt. Und da diese Diskrepanz offenbar nicht zu überbrücken ist, braucht es einen Grund-legend neuen Ansatz zum Verständnis des Gehirns.
Genau dies leistet Thomas Fuchs mit seinem Buch. Zunächst kritisiert er in hervorragender Weise die gängigen (meist mechanistisch-deterministisch ausgerichteten) Bewusstseinstheorien, um dann ein eigenes phänomenologisch gegründetes Gegenmodell zu entwerfen, das die Subjektivität von Lebewesen als nicht-reduzible Qualität wirklich ernst nimmt.
Kern seiner Theorie ist die Beobachtung, dass jede belebte Entität, von der Zelle angefangen bis zur Person, sich dadurch auszeichnet, dass sie eigenaktiv in die Gestaltung seiner äußeren Lebensbedingungen eingreift und sich so seine Lebensbedingungen ein Stückweit selbst organisiert. Dabei handelt es sich um eine Aktivität des gesamten Organismus, die nicht in mikroskopische Schaltvorgänge zerlegt werden kann. Das Lebensganze übt also einen organisierenden Einfluss auf seine Teile aus, genauso wie umgekehrt auch die Teile (sprich Moleküle, Zellen, Organe) zurückwirken auf das Ganze. Ursachen und Wirkungen stehen nicht in einem linearen Verhältnis (weil die Moleküle so und so zappeln, stellen sich bei der Person diese oder jene Gedanken bzw. Gefühle ein), sondern zirkular kausal.
Unter dieser Perspektive präsentiert sich das Gehirn nicht mehr als eine Art Apparat, sondern als ein Organ der Person, das Beziehung verdaut und anverwandelt. So wie sich Magen und Darm die Nahrung anverwandeln und dem Körper zueigen machen, verwandelt sich das Gehirn die Welt und die sozialen Bezüge an, verleiblicht sie.
Dies tiefer zu verstehen, muss man das ganze Buch lesen. Es liest sich freilich nicht wie ein Roman, aber wer ein wirkliches Erkenntnisinteresse verfolgt, findet darin etliche goldene Sätze. Das Buch hat das Potenzial, zu einem wirklichen Grundlagenbuch einer neuen Forschungsausrichtung zu werden, die sich mehr für das Leben selbst als für dessen stückweise herausisolierten Funktionsabläufe interessiert. Es ist jedem zu empfehlen, der sich für Gehirn- und Bewusstseinsforschung interessiert und nicht nur ingenieursmäßig, sondern Sinn-voll darüber nachdenken möchte eines der tiefgründigsten Bücher zur Hirnforschung, die bislang auf dem Markt zu finden sind.
978-3-170-19291-1, 978-3-1701-9291-1
978-3-17019-291-1, 978-3170192911, 978-3-17-019291-1
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