Merlyns ISBN Buchhandlung

Katalog » Sachbücher » Kultur

Das Unbehagen in der Kultur, und andere kulturtheoretische Schriften

von Sigmund Freud - ISBN 9783596104536

Taschenbuch, 188 Seiten
Veröffentlichung May 1994 bei Fischer (Tb.), Frankfurt
Amazon-Verkaufsrang #56206
Bewertung 5.0/5.0 bei 6 Meinungen
neu: ab 8.95 Euro
gebraucht: ab 8.00 Euro
Autor: Sigmund Freud
ISBN 9783596104536
ISBN 359610453X (alt)

Meinung der Redaktion zu Das Unbehagen in der Kultur, und andere kulturtheoretische Schriften

Die Redaktion hat noch keinen Eintrag verfasst.

Kritik zu Das Unbehagen in der Kultur, und andere kulturtheoretische Schriften

Über Kulturentwicklung... vom 04.02.2007
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 13 von 13 Besuchern hilfreich

Im wichtigsten Text dieses Bandes "Das Unbehagen in der Kultur" kommt Freud auf die in "Die Zukunft einer Illusion" drei Jahre zuvor gemachten Äußerungen zur Kulturentwicklung dadurch zurück, dass er Romain Rollands Kritik an dieser ersten Schrift zum Ausgangspunkt einer erweiterten Theorie macht (Freud hatte darin Religion als Illusion, also Wunschvorstellung bezeichnet, Rolland jedoch verwahrte sich als religiöser Mensch dagegen und nannte sein "ozeanisches" Gefühl einer Verbundenheit mit dem "Ewigen", "Unbegrenzten" eine primäre Quelle religiöser Energie, die er einfach habe, fertig aus).

Der Ausgangspunkt hin zur kulturellen Entwicklung beginnt für Freud zunächst mit dem Streben des Menschen nach Glück als entweder (negativ gewendet) Meiden von Schmerz und Unlust oder (positiv ausgedrückt) Erleben starker Lustgefühle. Aber dieses Lustprinzip wird von drei Seiten mit Leid bedroht: vom eigenen Körper, von der Außenwelt und von anderen Menschen, in der Leidvermeidung entwickelt es sich notgedrungen weiter zum Realitätsprinzip. Zu den verschiedenen Möglichkeiten der Leidabwehr kann neben Intoxikation und Triebabtötung durch z.B. Yoga aber auch die sogenannte Libidoverschiebung zählen, also die innerpsychische Sublimierung der Triebe hin zu beispielsweise Kunst und Wissensdrang, so dass einem die Nichterfüllung der primären Wünsche nichts anhaben kann. Für manche Menschen bleibt allerdings nur der krankhafte Weg der Flucht in die Neurose. Für die Kulturentwicklung sind Triebverzicht und Triebsublimierung ganz wichtige Prozesse.

Kultur dient nach Freud a) dem Schutz des Menschen gegen die Natur und b) der Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander. Letztlich wird die Macht des Einzelnen durch die der Gemeinschaft ersetzt, damit entstehen Recht und Gerechtigkeit, um den Einzelnen um der Anderen willen einschränken zu können.

Neben den libidinösen Triebregungen (Eros als verbindende Kraft) erkennt Freud jedoch auch nicht minder mächtig einen Aggressions- bzw. Destruktions-/Selbstvernichtungstrieb ("Homo homini lupus" - "Der Mensch ist des Menschen Wolf", nach Plautus), der ihm das Bibelwort "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" als Überforderung erscheinen lässt, die selbst sogar gerade in Hinblick auf ihre Unerreichbarkeit aggressive Tendenzen auslösen kann. Die Aggressionsneigung bedroht den Einzelnen wie auch die Kulturentwicklung. Das Ausleben von Aggression nach außerhalb wiederum ermöglicht Libidobestrebungen innerhalb der Gemeinschaft, auf diese Weise erklärt sich nach Freud gerade der Hass benachbarter Gemeinschaften wie etwa Spanier und Portugiesen, Nord- und Süddeutsche, Engländer und Schotten. Der Kampf beider Triebe (also des aufbauenden und des zerstörenden) um die Vorherrschaft finde sowohl innerhalb des Menschen, wie auch in der Kulturentwicklung statt.

Im Menschen, der sich die Aggression nicht auszuführen gestattet, kommt es dann zur Verschiebung, zur Introjektion der Aggressionslust in das Über-Ich, daraus entsteht das Gewissen und das Schuldbewusstsein als Spannung zwischen dem strengen Über-Ich und dem unterworfenen Ich (Angst des Kindes erst vor der Autorität, später als Erwachsener vor dem Über-Ich). -

Der lesenswerte Band enthält noch folgende Schriften Freuds: "Das Unbehagen in der Kultur" (1930), "Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität" (1908), "Zeitgemäßes über Krieg und Tod" (1915), "Warum Krieg?" (1933) und "Massenpsychologie und Ich-Analyse" (1921).
Wer "Die Zukunft einer Illusion" (1927), "Totem und Tabu" (1913), "Zur Gewinnung des Feuers" (1932) und "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" (1939) ebenfalls lesen mag, der greife allerdings gleich zum 9. Band der wunderbar aufbereiteten Freud-Studienausgabe im S. Fischer-Verlag. (4.02.07)

Weitere ISBN:
978-3-596-10453-6, 978-3-5961-0453-6
978-3-59610-453-6, 978-3596104536, 978-3-59-610453-6
Wir bedanken uns bei Amazon für die Bereitstellung der Rezensionen. Comments (11)