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Der blonde Eckbert / Der Runenberg

von Ludwig Tieck - ISBN 9783150077320

Taschenbuch, 57 Seiten
Veröffentlichung Dec 1986 bei Reclam, Ditzingen
Amazon-Verkaufsrang #8661
Bewertung 5.0/5.0 bei 4 Meinungen
Autor: Ludwig Tieck
ISBN 9783150077320
ISBN 315007732X (alt)

Meinung der Redaktion zu Der blonde Eckbert / Der Runenberg

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Kritik zu Der blonde Eckbert / Der Runenberg

Zwei unvollkommen Liebende vom 04.11.2007
Bewertung: 5 von 5 Sternen
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Tieck, Ludwig (1773-1853), Der blonde Eckbert, Ein Märchen (Romantik, Hg. B.v.Wiese)

Rahmenhandlung: Der Ritter Eckbert, 40 Jahre, zurückgezogen lebend, gewinnt Walter, einen Naturforscher, zum Freund. Eckbert möchte sich ihm ganz anvertrauen und bittet seine Frau Berta, Walter ihre Geschichte von ihrer Jugend zu erzählen.
Bertas Geschichte: Als Kind wurde sie von ihrem vermeintlichen Vater, einem Hirten, wegen seiner Armut grausam behandelt, so dass sie in die Wildnis entfloh. Dort kam sie in das Haus einer hexenähnlichen Alten, die dort mit ihrem Hund und ihrem sprechenden Vogel lebte, der überdies noch Perlen in seinen Eiern hatte, die er regelmäßig legte. Die Alte wies das Mädchen in der Hauswirtschaft an, und sie zeigte sich gelehrig und erlebte eine glückliche Kindheit in der Abgeschiedenheit.
Mit 14 wollte sie das erleben, was sie in den Büchern gelesen hatte: einen schönen Ritter treffen. Sie band den Hund im Zimmer fest, nahm den Vogel mit dem Käfig und einen Teil der Edelsteine mit und zog in die Stadt, wo sie eben Eckbert heiratete.
Fortsetzung der Rahmenhandlung: Da Walter nun weniger häufig zu kommen schien, wurde Eckbert zunehmend von Misstrauen gequält und Berta wurde sterbenskrank: Walter kannte den Namen des Hundes, der ihr entfallen war - "Strohmian".. Eckbert ermordet Walter und als er nach Hause kommt, ist Berta schon gestorben.
Nach ihrem Tod sucht Eckbert erneut die Freundschaft eines Ritters: Hugo - und vertraut ihm schließlich die ganze Geschichte wiederum an. Da sich dieser daraufhin sonderbar zu benehmen und Walters Züge anzunehmen scheint, stürzt E. halb wahnsinnig davon und in die Wildnis hinaus. Überall scheint er Walter zu treffen, bis er zu der Hütte der Alten gelangt und von der Alten erfährt, dass dies die Strafe für Bertas Betrug sei, ihre "Probezeit" sei schon fast vorbei gewesen, als sie es nicht mehr bei ihr aushielt. Berta sei überdies seine Schwester, die uneheliche Tochter seines Vaters, die er bei einem Hirten erziehen ließ. Letzter Satz: "Eckbert lag wahnsinnig und verscheidend auf dem Boden; dumpf und verworren hörte er die Alte sprechen, den Hund bellen und den Vogel sein Lied wiederholen." (61)

Deutungsversuch: Bertas Geschichte scheint zunächst eine Allegorie auf den Lebensweg eines Menschen zu sein, der seinen Fantasien folgend die Gesetze der Sitte verletzt. Sie bringt Unheil über sich und ihren Lebensgefährten.
Dieser ist indessen auch selbst schuldig geworden, indem er nicht Genüge an seinem Glück mit Berta fand, sondern dieses Glück einem Außenstehenden mitteilen musste. Die Ursache scheint eine ungenügende Liebesfähigkeit zu sein, zu wenig Hingabe und Vertrauen - was sich ja dann in seinem Verhalten den Freunden gegenüber zeigt und ihn schließlich ins Verderben treibt. Rätselhaft ist allerdings, dass Bertas Schuld mit Eckberts verbunden ist (sie ist ja auch seine "Schwester", also wie er falsch disponiert und daraufhin sind sie in unseliger Gemeinschaft aneinander gebunden) - ist ihr Bruch des Sittengesetzes vielleicht das Korrelat für seine mangelnde Liebe, kann er sie nicht vollkommen lieben, so wie sie ihn durch Untreue erworben hat? Eckberts Erklärung, was ihn an Berta gereizt habe, könnte man so verstehen: Es seien ihre Jugend und Schönheit gewesen, ihre einsame Erziehung habe ihr "einen unbegreiflichen Reiz" (55) gegeben, durch ihr Vermögen (unrecht erworben!) sei er zu seinem Wohlstand gekommen. Wenn man nach einem ursächlichen Zusammenhang sucht, kann man diese Erklärung in der Tat so deuten, dass es mehr seine Fantasien und äußerliche Reize waren, keine echte Liebe, was Eckbert mit Berta verband. Oder auf eine einfache Formel gebracht: Berta und Eckbert waren unvollkommen Liebende: Sie war ihren Fantasien zu voreilig gefolgt, er war, sich selbst auch zu wenig kennend und nicht zur tiefen Liebe fähig, den Reizen ihrer Gestalt, ihrer Aura und ihrem Wohlstand erlegen.

Weitere ISBN:
978-3-150-07732-0, 978-3-1500-7732-0
978-3-15007-732-0, 978-3150077320, 978-3-15-007732-0
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