Die Gestalt des Menschen
von Gottfried Bammes - ISBN 9783363009668
Gebundene Ausgabe, 0 Seiten
Veröffentlichung May 2012 bei Edition Kunst und Gestaltung
Amazon-Verkaufsrang #219312
Bewertung 4.5/5.0 bei 7 Meinungen
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Autor: Gottfried Bammes
ISBN 9783363009668
ISBN 3363009666 (alt)
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Kritik zu Die Gestalt des Menschen
Kritischer Blick auf ein "Standardwerk" vom 08.01.2008
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 5 von 5 Besuchern hilfreich
Sie haben es vermutlich bereits gemerkt: Es ist nicht so einfach, dieses Buch angemessen zu rezensieren. Das mag damit zu tun haben, dass gerade Künstler recht unterschiedliche Lernwege bevorzugen. Herrn Bammes' Lehrmethode mag also nicht bei Allen auf Gegenliebe stoßen. Unter Kunststudenten finden sich meiner Erfahrung nach Viele, die dieses Buch haltlos verdammen, und ebenso viele, die darauf schwören. Ich wage trotzdem eine etwas eingehendere Rezension, und versuche, sowohl auf Stärken wie Schwächen der "Gestalt des Menschen" einzugehen. Ich arbeite inzwischen fast drei Jahre als künstlerischer Laie mit dem Werk, besitze Dutzende andere Bücher zur Künstleranatomie zum Vergleich, habe sehr viele Lernmethoden kennengelernt. Ist Bammes jetzt "der Beste"? Der "Einzige" gar? Braucht man wirklich "nur dieses Buch", um den Menschen zu zeichnen?
So weit möchte ich in keinem Fall gehen, fällt einem doch ein heftiger Negativpunkt schon auf den ersten Seiten sofort ins Auge: Bammes bedient sich einer widerwärtigen, bemüht komplexen, scheinverwissenschaftlichten Rhetorik, die es notwendig macht, viele Sätze mehrfach zu lesen, um sich langsam an den Sinn heranzutasten (und das schreibe ich als Magister der Germanistik!). Die großspurig angepriesene "Allgemeinverständlichkeit" ist im umfangreichen Fließtext jedenfalls nicht zu bemerken. Einleitend beginnt Bammes mit einer umfangreichen vernichtenden Kritik anderer erhältlicher (amerikanischer) Lehrwerke zur Künstleranatomie, vermutlich mit dem Zweck, seine eigene Lehrmethode als einzig logische Folge herauszukristallisieren. Einzig für Burne Hogarth hat er knapp zwei Gramm Lob, doch dessen "Dynamic Anatomy" muss er letztlich dann doch noch abfertigen. Das jedoch sicher nicht ohne Grund: Hogarth begnügt sich in dem angesprochenen Werk mit einer Auflistung von Muskelgruppen, um den Menschen zu beschreiben. Der Körper wird sozu einer gummi-gallertartigen Masse, ohne Skelett, ohne wahre Form. Das also steht ganz oben auf Bammes' Agenda: Dem Leser ein Gefühl für die dreidimensionale FORM des menschlichen Körpers zu geben. Im Folgenden erzielt Gottfried Bammes auf diesem Gebiet durchaus ein paar spektakuläre, mit anderen Werken kaum vergleichbare Erfolge - aber auch Fehlschläge.
Der Umfang des Werks lässt Platz für eine genaue, eindringliche und vor allem vollständige Betrachtung der menschlichen Proportionen (die ich so in keinem anderen Werk gefunden habe), interessanten Betrachtungen zu Schwerpunkt und Balance (ebenfalls ein Bammes-individueller Punkt) und selbstverständlich auch den obligatorischen Zeichnungen der Muskelmassen (deren Plastizität hier zwar überdurchschnittlich, aber nicht herausragend ist). Kern des Bammes-Werkes ist jedoch sein Versuch, dem Leser die dreidimensionalen Massen des menschlichen Skeletts durch zweidimensionale Zeichnungen nahezubringen. Der Autor stellt die Grundformen durch entsprechende Zeichungen (vereinfachte perspektivische Skelettansichten, Gitterformen, "Querschnittscheiben" von Brust, Arm und Bein, Höhenlinien auf Körpern in perspektivischen Ansichten) wirklich und (ganz ohne Kritik) wunderbar heraus. Das ist Bammes' großer Verdienst. Als eingehender Leser lechzt man hierbei vielleicht nach mehr, muss aber mit den in späteren Auflagen eingeflochtenen Werken von Bammes' Schülern vorlieb nehmen. Weitere Zeichnungen der gleichen Art brächten den eingehenden Schüler aber unter Umständen kaum weiter; als einzig logischer nächster Schritt wäre die Beobachtung und Zeichnung des lebenden Menschen angebracht.
Als Einstiegswerk ist die "Gestalt des Menschen" jedenfalls kaum zu empfehlen. Der Anfänger wird sich vom Umfang der Materie einfach nur erschlagen fühlen. Einen Anfang zu finden, wird schwer sein, denn "Arbeitsaufgaben" stellt Bammes keine. Wenden Sie sich vorher lieber anderen Büchern zu, sonst wird Bammes' "Gestalt des Menschen" ungerechtfertigt im Bücherregal verstauben. Der zuweilen abdriftende Focus, der Preis und das leider teilweise auch absurde Geschwafel, das, so scheint es, einzig den Umfang des Werkes ausdehnen soll, sind für mich der Grund, hier einen Stern abzuziehen. Für mich verdient das Buch die vier Sterne allerdings voll.
978-3-363-00966-8, 978-3-3630-0966-8
978-3-36300-966-8, 978-3363009668, 978-3-36-300966-8
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