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Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft

von Rudolf Steiner - ISBN 9783727460616

Broschiert, 176 Seiten
Veröffentlichung Apr 1991 bei Rudolf Steiner Verlag
Amazon-Verkaufsrang #190224
Bewertung 4.5/5.0 bei 3 Meinungen
Autor: Rudolf Steiner
ISBN 9783727460616
ISBN 372746061X (alt)

Meinung der Redaktion zu Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft

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Kritik zu Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft

Diskutierenswert vom 04.07.2004
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 11 von 11 Besuchern hilfreich

Die aktuelle Sozialstaatsreform-Diskussion verengt sich immer mehr auf angebliche wirtschafts- und sozialpolitische Unausweichlichkeiten, die der anonyme globale Markt der breiten arbeitnehmende und arbeitslosen Bevölkerung zumutet. In den Wirtschaftswissenschaften und der globalisierungskritischen Bewegung bildet sich hingegen verstärkt die Erkenntnis heraus, dass der „Markt" und die Wirtschaft eben nichts sind, was unbedingt naturgesetzlicher Zwangsläufigkeit unterworfen ist, sondern dass auch diese Bereiche des Lebens menschengemacht sind und der kulturellen Gestaltung bedürfen, insbesondere dann, wenn sie nicht zu menschenunwürdigen Verhältnissen führen sollen.

Steiners Buch gehört zwar nicht in diesen Diskurs - es stammt aus dem Jahr 1919 - wird aber vor diesem Hintergrund erneut interessant. Der Inhalt ist sehr auf die Situation von 1919 gemünzt, etliche Argumentationslinien zielen offenkundig auf damalige Überlegungen und Diskussionen und erscheinen daher teilweise obsolet. Dennoch ist der Grundansatz sehr aufschlussreich und auch heute noch diskutierenswert.

Steiner schlägt vor, den sozialen Organismus, wie er es nennt, in drei Bereiche zu gliedern, das Geistesleben, das Staatswesen/Rechtsleben und das Wirtschaftsleben. Diese sollen zwar unabhängig sein und nach jeweils eigenen Prinzipien funktionieren, aber dennoch ineinandergreifen und zusammenwirken. Jedem Bereich ordnet Steiner ein Ideal der franz. Revolution als Leitprinzip zu, dass sich nur in dem jeweiligen Bereich entfalten können soll. Das Geisteleben untersteht dem Ideal der Freiheit, das Staatswesen/Rechtsleben dem der Gleichheit und das Wirtschaftsleben dem der Brüderlichkeit. Diese Grundideen führt Steiner in vier Kapiteln aus, teilweise mit Vorschlägen zur konkreten Gestaltung der jeweiligen Bereiche.

Was dieses Buch interessant macht ist nicht, eine »einfache Lösung« für die soziale Frage, die funktioniert, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Steiners Lösung funktioniert jeweils nur insoweit, als diejenigen Menschen, die die Ideen der sozialen Dreigliederung verwirklichen wollen, dazu willens und imstande sind und nimmt Menschen als Individuen ernst und nicht nur als politische Verfügungsmasse wahr. Dementsprechend sind die Ideen auch unabhängig von der jeweiligen Gesellschaftsform ausführbar; sie zielen nicht auf Umsturz, sondern auf konstruktive Korrektur, die sich in demokratischen Einvernehmen vollzieht. Wer nicht will, der muss nicht, denn Steiners Vorschläge lassen sich prinzipiell in kleinstem Kreis ebenso realiseren, wie sie auch auf internationaler, zwischenstaatlicher Ebene zum Tragen kommen könnten.

Mit Blick auf die heutige Diskussionen um Konjunktur und Arbeitsmarktreform etc. - anknüpfend an das oben Gesagte - ist das Buch vor allem auch deshalb lesenwert, weil es eine Perspektive bietet, die den scheinbar so eng gesteckten Rahmen der politischen Handlungsmöglichkeiten sprengt und zeigt: Die Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders unterliegt unserem Gestaltungswillen und Kreativität und nicht ausschließlich (welt-)wirtschaftlichen, finanziellen und anderen Zwängen, die keine Alternativen lassen.

Weitere ISBN:
978-3-727-46061-6, 978-3-7274-6061-6
978-3-72746-061-6, 978-3727460616, 978-3-72-746061-6
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