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Die Reise nach Arzrum während des Feldzugs im Jahre 1829

von Alexander S Puschkin - ISBN 9783932109096

Taschenbuch, 124 Seiten
Veröffentlichung Sep 1998 bei Friedenauer Presse
Amazon-Verkaufsrang #337954
Bewertung 5.0/5.0 bei 1 Meinungen
Autor: Alexander S Puschkin
ISBN 9783932109096
ISBN 3932109090 (alt)

Meinung der Redaktion zu Die Reise nach Arzrum während des Feldzugs im Jahre 1829

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Kritik zu Die Reise nach Arzrum während des Feldzugs im Jahre 1829

Wenn Puschkin eine Reise tut... vom 13.10.2004
Bewertung: 5 von 5 Sternen
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A.S. Puschkin, den Dekabristen nahestehend und auch sonst bei Hofe nicht allzu beliebt, hatte keine andere Auslandsreise als die hier beschriebene unternehmen können; wie wichtig ihm ein Aufenthalt etwa in Italien oder Frankreich gewesen wäre, lässt sich nur erahnen, wenn er den Übertritt über das russisch-türkische Grenzflüsschen Arpatschaj beschreibt: "Mit einem unaussprechlichen Gefühl sprengte ich auf den Fluß zu. Noch nie hatte ich ein fremdes Land gesehen. Die Grenze hatte für mich etwas Geheimnisvolles; von Kind an waren Reisen mein Lieblingstraum." Die Ernüchterung aber bleibt nicht aus, kaum dass er das "Gelobte Land" betreten hat: "Doch dieses Ufer war bereits erobert; ich befand mich noch immer in Rußland."
Mit der "Reise nach Arzrum" (heute: Erzurum) liegt nun erstmals Puschkins Bericht von dieser einzigen Auslandsreise, oder, in seinen eigenen Worten, von "meiner Wanderschaft im Gefolge eines strahlenden Helden durch die eroberten Einöden Armeniens" auf Deutsch vor.
Lakonisch und nicht ohne Witz schildert Puschkin hier seine Reise, die er ohne Erlaubnis des Zaren angetreten hatte: Zunächst über den Kaukasus nach Tiflis, von dort über die armenische Hochebene bis zur russisch-türkischen Grenze und schließlich nach Erzurum, dem Schauplatz eines der unzähligen russisch-türkischen Kriege des 19. Jahrhunderts.
Der Kaukasus war kurz zuvor von Russland erobert und denkbar undiplomatisch "befriedet" worden; in die Beschreibung einiger Reiseerlebnisse und -begegnungen streut Puschkin wie zufällig Beobachtungen ein, die aus heutiger Sicht bedrückend aktuell wirken - um dann sofort wieder zu anderem überzuleiten: Begegnungen mit türkischen Paschas und russischen Provinz-Beamten, Beschreibungen von Heerlagern und türkischen Provinzstädtchen, Einblicke in heruntergekommene Herbergen, exotische Bäder und Harems. Puschkin schildert all dies und noch mehr lakonisch und präzise, satirisch mitunter, fesselnd in jedem Fall - aber nie mit jener abenteuerlichen Kolportage-Romantik, wie sie aus vergleichbaren Reiseberichten bekannt ist. Gerade dieser Erzählton macht Puschkins Bericht aus dem "Morgenland" so zeitlos beeindruckend.
Damit nicht genug; man kann in diesen relativ kurzen Text auch eine Zäsur in der russischen Literaturgeschichte erkennen. Puschkin hatte kurz vor Reiseantritt seinen Versroman "Evgenij Onegin" fertiggestellt; auch begann er sich zu dieser Zeit von den Idealen der Romantik zu distanzieren. Ein Jahr später bereits, 1830, entstanden die "Erzählungen Belkins". Wie der Herausgeber und Übersetzer, Peter Urban, in seinem Vorwort anmerkt, kann man das Jahr 1829 daher als "Geburtsstunde der russischen Prosa" ansehen.
Urbans sorgfältige Übersetzung und Edition dieses Reiseberichts sollte nicht unerwähnt bleiben, ebensowenig sein enorm hilfreicher Anmerkungsapparat, die Zeittafel, das lose beigelegte Reprint einer zeitgenössischen Landkarte, die das Nachvollziehen von Puschkins Reise zum Vergnügen macht - und die solide Ausstattung des Bandes insgesamt.
Ein literarischer und bibliophiler Volltreffer!

Weitere ISBN:
978-3-932-10909-6, 978-3-9321-0909-6
978-3-93210-909-6, 978-3932109096, 978-3-93-210909-6
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