Eine Kultur ohne Zentrum: Vier philosophische Essays und ein Vorwort
von Richard Rorty - ISBN 9783150089361
Taschenbuch, 146 Seiten
Veröffentlichung Oct 1993 bei Reclam, Ditzingen
Amazon-Verkaufsrang #147223
Bewertung 5.0/5.0 bei 3 Meinungen
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Autor: Richard Rorty
ISBN 9783150089361
ISBN 3150089360 (alt)
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Kritik zu Eine Kultur ohne Zentrum: Vier philosophische Essays und ein Vorwort
Metaphysik der Beziehung zwischen Mensch und Natur vom 18.12.2007
Bewertung: 5 von 5 Sternen
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Philosophie, Religion, Naturwissenschaft und Kunst in der Versuchung, Zentrum einer Kultur zu werden, dieses ist das Kernthema vier bravouröser philosophischer Essays. Wie die Religion im 17. Jahrhundert beginnend die Vorherrschaft und das Zentrum der Kultur verloren hat, schickte sich die Naturwissenschaft erfolglos im 19. Jahrhundert an, diesen Platz zu übernehmen. Wo nun Klarheit herrscht über den Verlust und das Scheitern bleibt Platz für die offene Kultur ohne Zentrum, oder vielleicht noch für die Kunst, ist sie doch Ort offener Gedankenströme und damit gleich einer zentrumslosen Kultur. Eine Kultur ohne Zentrum ist notwendige Grundlage der Befruchtung aller und fördert die Interdependenzen der vier vorherrschenden Fakultäten. Diese wiederum zeigen Auswirkungen auf das Individuum in seiner gegenwärtigen wie zukünftigen Entwicklung. Wie bereits im 20. Jahrhundert diskutiert, wird aus einer Ich Bestimmung Fichtes oder einer Bestimmung religiöser Prägung gerade durch die Aufhebung der Vorherrschaft einer Fakultät, das Ich zu einem narrativen Ich (Sartre), welches in der Erzählung über die jeweilige aktuelle Situation sich einen Raum und in ihm die Gelegenheit schafft, Idee und neue Position in einander fließen zu lassen zu einer neuen Identität. Rorty erinnert mich hier sehr stark an die Identitätskonstruktionen aus der Forschung Keupps im gleichnamigen Buch, letztendlich an die Erfindung des Ichs im Geiste der Neurologie.
Identität im Sinne von Rolle und Besonnenheit ist der Willkommensgruss des Orakels von Delphi. Apollons Spruch: Erkenne Dich selbst! wird zu einer Allgemeingültigkeit, da er jeden Besucher gleichermaßen meint. Damit wird nach Platon (Charmides) auch des Menschen Sophrosyne (Besonnenheit) angesprochen, nämlich zu begreifen, was sein Wissen oder seine Erkenntnis im eigentlichen Sinne, das Erkennen der Erkenntnis ist. Mit diesem Wissen erkennt Rorty folgerichtig eben auch die Identitätszyklen des Menschen und sagt die Demokratie des Ich-Wechsels voraus. Damit wird der Prozess der Selbstbeschreibung und der Selbstbejahung zur notwendigen Selbsterschaffung im wechselnden Prozess des Lebens, der auch bei Sloterdijk in der Auflösung der "Weltfremdheit" sich wiederfindet. Vorhandenes wird in Vorgängerbeziehungen einbezogen und damit zum Zuhandenen (Heidegger), etwas was zur Hand ist im Kontext. Die Errungenschaften der Kultur werden nicht mehr als Autoritäten gehandelt, sondern als Hilfsmittel zur Neubeschreibung und Neugestaltung seiner selbst, des Ichs und der Umwelt. Damit wird Kultur nicht mehr mit Unbehagen betrachtet sondern als Verlängerung der Evolution mit narrativen Mitteln.
Naturwissenschaft, Kunst (Literatur), Philosophie (Religion) sind die Zweige des einen Baumes, auf dem Rotry sich bewegt. Viele Wegbegleiter des Geistes und des Denkens nimmt er mit auf seinen Weg. Ein wenig erinnert er mich an Schmidt-Salomon und seinem säkularen Humanismus, dem er ein Manifest gewidmet hat. (vgl. Rezension)
Rortys Zauberkräfte liegen außerhalb der Metaphysik und doch glaubt man, in ihnen gefesselt zu sein. So wie er selbst sagt, dass Erzählungen die Bestimmungen des Ichs verändern, fördert seine Erzählung zum Leser eine mögliche Veränderung der Identität, zumindest des Schwerpunktes. "Denk dir alles so, als sei es durch seine Beziehungen zu allem anderen konstituiert; hör auf zu fragen, was [...] in allem Wandeln konstant bleibt." (Whitehead)
978-3-150-08936-1, 978-3-1500-8936-1
978-3-15008-936-1, 978-3150089361, 978-3-15-008936-1
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