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Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends

von Josef Reichholf - ISBN 9783596174393

Broschiert, 336 Seiten
Veröffentlichung Dec 2008 bei Fischer (Tb.), Frankfurt
Amazon-Verkaufsrang #80464
Bewertung 4.0/5.0 bei 7 Meinungen
neu: ab 9.95 Euro
Autor: Josef Reichholf
ISBN 9783596174393
ISBN 3596174392 (alt)

Meinung der Redaktion zu Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends

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Kritik zu Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends

Interessante Aspekte- leider etwas unsortiert vom 17.02.2008
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 13 von 15 Besuchern hilfreich

Josef Reichholf, Professor für Zoologie, bringt mit dem vorliegenden Buch völlig neue Aspekte in die Klimadiskussion: das Mikroklima von Ökosystemen und historische Verbreitung von Indikatorlebewesen (v.a. Vögel).

Dabei werden die anderswo publizierten abstrusen Blüten der gängigen Klima-Apokalypsen ("die Biosphäre wird sich nicht anpassen können") gründlich widerlegt:
Wenn es überhaupt zu einem Niedergang der Biodiversität kommt, dann vor allem durch eines: direkte Rodung zur Schaffung von intensiver landwirtschaftlicher Nutzfläche. Denn nirgendwo ist die Artenvielfalt so gering wie in Feld & Flur. Die natürlichsten Verhältnisse findet man demnach dort, wo Landwirtschaft viel zu gefährlich ist:
- auf Truppenübungsplätzen (in Mitteleuropa)
- im Tsetse-Gürtel (in den Tropen)

Ausserdem: Der direkte Einfluss eines noch so großen globalen Temperaturanstiegs hinkt deutlich hinter den Einflüssen des Mikroklimas hinterher. Wieder einmal zwei Beispiele aus der Landwirtschaft:
1) nach Rodung großer Flächen im Amazonasgebiet steigen die lokalen Tageshöchsttemperaturen um bis zu zehn Grad an, da der durch den Regenwald zuvor zurückgehaltene regulierende Feuchtigkeitsmantel verschwunden ist.
2) umgekehrt verhält es sich durch die Intensivierung der Landwirtschaft in Mitteleuropa: durch dichteren Bodenbewuchs sinken direkt an der Erdoberfläche die Temperaturen, so dass sich u.a wieder Arten ansiedeln, die man eher mit einer Abkühlung (und nicht Erwärmung!) assoziieren würde.

Und bei allem gilt: Veränderung ist der Biosphäre gleichgültig. Denn ein Gleichgewicht, wie es das Wort "Naturhaushalt" implizieren mag, hat es nie wirklich gegeben (ausser kurzfristig auf isolierten Inseln, deren Flora und Fauna dann bei Ankunft von Eindringlingen leicht hinweggefegt wurde). In Wirklichkeit stolpern wir von einem Ungleichgewicht ins nächste. Eine Wertung wie "besser" oder "schlechter" impliziert immer den (Eigen-)Nutzen des Menschen.

Neben vielem Interessanten hat das Buch aber auch ein paar Schwächen:
- die gesamte Historie mit seinen Zusammenhängen von Aufstieg & Fall von historischen Kulturen ist insgesamt zu vage und reichlich unsortiert.
(Eine geglücktere Darstellung zu diesem Aspekt wäre m.E. das Buch von Wolfgang Behringer "Kulturgeschichte des Klimas")
- schon in der ersten Hälfte des Buches kommen immer wieder Seitenhiebe auf ausweichendes Methan & Co2, aber eine Zusammenfassung zur CO2-Diskussion fehlt. Wird diese als bekannt vorausgesetzt? Oder ist sie zu abgedroschen um diskussionswürdig zu sein? Für den informierten Leser ist dies verschmerzlich, für den Neueinsteiger jedoch sicherlich verwirrend.
- auch stilistisch könnte man etwas verbessern: viele Sätze sind zu verschachtelt und dadurch schwer erfassbar.
- bei der Diskussion um die Regenwaldabholzung (Abb.27 und Text dazu) gibt es einige Rechenfehler: die spezifischen Werte für Brasilien und Indonesien sind um den Faktor 10 zu hoch. Damit müßten einige Aussagen (vgl. mit Bev-Wachstum) nachjustiert werden, aber insgesamt ändert sich nur wenig.

Aufgrund der Schwächen war ich versucht, nur drei Sterne zu vergeben. Da man aber nach den etwas diffusen Passagen immer wieder durch originelle und scharfsinnige Abschnitte versöhnt wird, gebe ich doch vier Sterne.

Weitere ISBN:
978-3-596-17439-3, 978-3-5961-7439-3
978-3-59617-439-3, 978-3596174393, 978-3-59-617439-3
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