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Gebrauchsanweisung für München

von Thomas Grasberger - ISBN 9783492275019

Taschenbuch, 208 Seiten
Veröffentlichung Aug 2002 bei Piper
Amazon-Verkaufsrang #11826
Bewertung 4.5/5.0 bei 8 Meinungen
neu: ab 12.90 Euro
gebraucht: ab 4.90 Euro
Autor: Thomas Grasberger
ISBN 9783492275019
ISBN 349227501X (alt)

Meinung der Redaktion zu Gebrauchsanweisung für München

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Kritik zu Gebrauchsanweisung für München

Lesenswertes Buch mit einigen Schwächen vom 05.08.2007
Bewertung: 3 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 14 von 15 Besuchern hilfreich

...wie zum Beisiel diese hier:

"[...]wenn unser Münchner einen Dorn verschluckt hat, der ums Verrecken nicht wieder raus will aus dem Kehlkopfbereich. Für solche Fälle hat man dann einen Kulturreferenten, der diesen Dorn quasi operativ entfernt. Ganz gelingt sowas freilich nie, weil so ein Dorn hartnäckig ist und meist ganz in der Nähe wieder hängen bleibt."
Da keine Erläuterungen folgen, werden die wenigsten Leser verstehen, dass dies eine (wenngleich treffende) Anspielung auf den Ex-Intendanten der Münchner Kammerspiele Dieter Dorn ist, der 2001 wegen eines neuen Kulturreferenten nach fast 20-jähriger Intendanz das Haus in der Maximilianstraße verlassen musste, nur um gleich gegebenüber am Bayerischen Staatsschauspiel am Max-Joseph-Platz Unterschlupf zu finden.

"Es empfiehlt sich auch an der Isar, möglichst deutsch zu sein oder tunlichst so zu wirken. Sonst kann es Ihnen vielleicht schon passieren, dass Sie zusammengeschlagen und als "Ausländerschwein" beschimpft werden.[...]Es hätte auch viel schlimmer kommen können. Sie hätten als Ausländer zum Beispiel in die Hände der Polizei geraten können."
Was der Münchner Bevölkerung und ihrer Polizei hier unterstellt wird, muss schon als Frechheit bezeichnet werden. Kein Besucher der Stadt muss sich hier "tunlichst" deutsch stellen, um nicht zusammengschlagen zu werden. Warum auch? Im Jahr 2006 waren 2,5 der 4,3 Millionen Touristen in München aus dem Ausland und in den vier Monaten, die ich jetzt hier wohne, wurde nicht ein einziges Mal von zutage getretener Ausländerfeindlichkeit berichtet.
Zwar wird es hier, wie in anderen Städten auch, mal zu rechtradikalen Übergriffen kommen, aber Grasberger nennt weder Zahlen, Fakten oder irgendetwas Sustantielles. Es bleibt lediglich bei diesen schlimmen Unterstellungen, die bei mir einen sehr schalen Nachgeschmack haben.

Was mich des weiteren sehr irritiert hat, waren die ständigen Angriffe auf die CSU. Statt seine Spitzen jedoch mit leichter Ironie zu würzen um wenigstens unterhaltsam zu sein, greift Grasberger statt dessen tief in die Polemikkiste.

Das ganze Kapitel über Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus hätte Grasberger sich ebenfalls schenken können. Das ernste Thema passt überhaupt nicht zum Ton des restlichen Buches. Natürlich schadet es nicht, auch die Schattenseiten in der Geschichte Münchens zu beleuchten, aber dann bitte ohne derartige Moralkeule!

Von einem studierten Journalisten hätte ich außerdem korrektere Grammatik erwartet. Wer fast das ganze Buch hindurch Klöpse wie "weil das ist so" reinhaut, sollte sich vielleicht mal das Kapitel "Weil das ist ein Hauptsatz" in Bastian Sicks "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" zu Gemüte führen.

Insgesamt ein gut zu lesendes Buch, mit einigen fühlbaren (Füll-)Strecken im Mittelteil; des öfteren im Ton vergriffen; kein Wort zu den zwei großen Münchner Universitäten mit ihren fast 70,000 Studenten; kein Wort über die Myriaden an Fahrradfahrern, die mir hier sofort als erstes aufgefallen sind,... Schade, man hätte sehr viel mehr aus diesem Buch machen können.

Trotzdem: 3 gutverdiente Sterne und eine Leseempfehlung.

Weitere ISBN:
978-3-492-27501-9, 978-3-4922-7501-9
978-3-49227-501-9, 978-3492275019, 978-3-49-227501-9
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