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Kampf der Kulturen. SPIEGEL-Edition Band 11

von Samuel P. Huntington - ISBN 9783877630112

Gebundene Ausgabe, 592 Seiten
Veröffentlichung Oct 2006 bei Spiegel-Verlag
Amazon-Verkaufsrang #7153
Bewertung 4.0/5.0 bei 44 Meinungen
neu: ab 9.90 Euro
gebraucht: ab 5.68 Euro
Autor: Samuel P. Huntington
ISBN 9783877630112
ISBN 3877630111 (alt)

Meinung der Redaktion zu Kampf der Kulturen. SPIEGEL-Edition Band 11

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Kritik zu Kampf der Kulturen. SPIEGEL-Edition Band 11

Vorschlag für eine Neue Weltordnung vom 13.08.2008
Bewertung: 2 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 9 von 10 Besuchern hilfreich

Zusammen mit Nostradamus gesammelten Prophezeiungen war Samuel Philips Huntingtons "Kampf der Kulturen" eines jener Bücher, die im Zuge von 9/11 im unsicheren Klima des angebrochenen Jahrtausends Bestsellerstatus erlangten. Dabei wussten die wenigsten Leser dass Huntingtons Analyse der weltpolitischen Lage einem 1993 entstandenen Artikel für das hoch angesehene US-Magazin Foreign Affairs, dem konservativeren Gegenstück zur französischen Le Monde, entstammt. Als Reaktion auf das Feedback zu diesem Artikel begann Huntington seinen Artikel zum Buch auszubauen, die Theorien zu vertiefen und weil er ja als Berater des Außenministeriums galt, genoß das Buch sehr schnell große Anerkennung, wie es auch verteufelt wurde. Nun, Huntingtons Prophezeiungen haben sich bisher nicht erfüllt, die Stimmen welche US-Politikern und Thinktanks ein Denken wie im Kalten Krieg vorwerfen sind lauter geworden.

Ursprünglich schrieb Huntington von einem "Clash of Civilisations?", ließ dann aber das Fragezeichen wegfallen und in deutscher Lizenzübersetzung wurde aus dem Zusammenprall der Zivilisationen ein Kampf der Kulturen. Doch so sehr sich Huntingtons Artikel seit 1993 durch Buch und Übersetzung verändert hat, so sehr hat sich auch die Welt verändert. Der Kampf der Kulturen ist lange vor der Jahrtausendwende entstanden, lange vor steigenden Ölpreisen und Rohstoffverknappungsängsten, Huntington konnte das nicht wissen, seine Theorien gehen daher von einer Weltordnung aus, die von der Euphorie des Friedens nach dem Kalten Krieg getragen wird, in der die Nationen keine größeren Probleme haben, als ihre kulturelle Homogenität und Zivilisation durch andere Religionen bedroht zu sehen, denn an der Religion verläuft laut Huntington die Hauptverwerfung im Kampf der Kulturen. Rückblickend wirken Huntingtons Aussagen, wie die Kernstaatenthese zwar ideal, um sich Achsen des Bösen zusammenzuschustern und den Irak als Hort der Al Qaida anzugreifen, doch hoffnungslos veraltet und in Cold-War-Denkmustern verhaftet. Die Aufteilung der Welt in nun regionale Machtzentren und deren Einflusssphären, mit Konflikten an Überschneidungszonen, mag da als ideales Beispiel dienen.

Es ist nicht nur eine gewisse Naivität an Huntington, die von kulturellen und zivilisatorischen Standpunkten ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Regionen in Frage stellt, sondern auch die verschwiegene Implikation eines tiefgehenden WASP-Rassismus, der mitschwingt, aber erst in Huntingtons neuerem Werk "Who are we" zur Geltung kommt. Die USA sollen sich mehr an das kulturell und zivilisatorisch ähnliche Europa annähern, Europa jedoch die Führungskompetenzen der USA anerkennen und sich unterordnen. Im Falle der EU müsste das zu einem Ausschluss von Griechenland und Rumänien führen, da diese als mehrheitlich orthodoxe Staaten in einer Huntingtonschen Weltordnung keinen Platz in "Europa" hätten. Worte wie Überfremdung, ethnische Homogenisierung und Säuberung kennt Huntington anscheinend nicht, lässt Lesern aber die Möglichkeit offen, diese im Einklang mit seinen veralteten Theorien als legitim anzusehen. In den USA sieht Huntington die Ordnung durch die Zuwanderung der Latinos bedroht, dieser würden auf absehbare Zeit zur dominierenden ethnischen Gruppe im Lande werden und in seinem abschließenden fiktiven Szenario unterstellt er ihnen wenig diskret Unpatriotismus, liberale Denkweisen und Sezessionsabsichten, sollten sie Bundesstaaten durch Mehrheitsverhältnisse dominieren.

Huntingtons Latinophobie mag nur ein Beispiel sein, für die "ethnopolitischen", also rassisch-politischen Problemstellungen, die er gekonnt aufzuzeigen vermag. In vielerlei Hinsicht merkt man dem 1996 erschienen Buch an, dass es eher in die Zeit des ausgehenden Kalten Krieges passt, denn in das 21. Jahrhundert. Als typischer "Advisor" vertritt Huntington auch sehr widersprüchliche Standpunkte, welche vielleicht in seinem Geiste zur Außenpolitik eines George W. Bush angeregt haben könnten. So tritt er zwar für eine Internationalisierung ein, lehnt dieser aber gleichzeitig ab, am Beispiel des Haager Kriegsgerichtstribunals, soll dieses zwar alle Staaten umfassen, die USA aber nicht. Neben halbherzigen und eher resignierenden Aussagen zur Internationalisierung und Stärkung solcher Institutionen, wie der erheblich zu liberalen UNO und ihrer daher machtlosen Funktionäre, fußt Huntingtons Kampf der Kulturen auch auf einen schon eher modernen Gefühl der Niederlage, dass weltpolizeiliche Einsätze sinnlos sind, weil keiner die zivilisatorischen Leistungen der USA erkennt und daher vielleicht besser ein isolationistischer Weg einzuschlagen sein. In dieser Hinsicht verteidigt er die damals geschlagenen Republikaner, welche mit Clintons internationalem Engagement sehr unzufrieden waren, jedoch 2003 einen genau solchen Einsatz durchzuführen riskierten. Am Ende waren es Verfehlungen der Befehlshaber und eine gewisse Arroganz der zu Besatzern gewordenen Befreier, deren ursprünglichen Motive nach mehrmaliger Revidierung als blanke Lügen und Falschinformationen auf Basis von Spekulationen herausstellten.

In der Weltpolitik, die das Bündnis eines Hugo Chavez mit dem Iran erlebt hat, haben Wirtschafts- und Verteidigungsminister mehr Einfluss als kulturelle oder rassische Faktoren. So ist auch Huntington 1996 im Alter von 69 Jahren doch ein Träumer gewesen, der dieses für manchen korrupt wirkende System durch seine Theorien schlicht auslöschen wollte. Selbst in Zeiten des Kalten Krieges, wo die Kernstaatenthese zwischen der US-geführten freien Welt, den Kommunisten und dem fast immer kommunistisch beeinflussten Rest funktioniert haben mag, gab es wie mit Jugoslawien diverse Abweichler vom huntingtonschen Ideal.

Fazit:
Veraltete Theorien, in irreführender Übersetzung, die schlicht und einfach zu sehr in Denkmustern des Kalten Krieges verhaftet sind. Dennoch ein Werk das man nicht nur gelesen, sondern auch darüber nachgedacht haben sollte.

Weitere ISBN:
978-3-877-63011-2, 978-3-8776-3011-2
978-3-87763-011-2, 978-3877630112, 978-3-87-763011-2
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