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Kein Sterbenswort

von Harlan Coben - ISBN 9783442452514

Taschenbuch, 352 Seiten
Veröffentlichung Jan 2004 bei Goldmann
Amazon-Verkaufsrang #521
Bewertung 4.5/5.0 bei 44 Meinungen
Autor: Harlan Coben
ISBN 9783442452514
ISBN 3442452511 (alt)
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Meinung der Redaktion zu Kein Sterbenswort

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Kritik zu Kein Sterbenswort

Zu viele Sterbensworte... vom 03.09.2008
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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Ich fand diesen Coben-Krimi in einer Urlaubsbibliothek, in einer Das-Beste-Reader's-Digest-Ausgabe.

Die Grundstory ist fesselnd: Der Kinderarzt Dr. Beck hat vor acht Jahren die Liebe seines Lebens verloren, seine Sandkastenfreundin und spätere Gattin Elisabeth. Bei einem romantischen Jahrestags-Ausflug nachts am See wurden beide überfallen. Beck überlebte mit schweren Kopfverletzungen; seine geliebte Elisabeth hingegen wurde verschleppt und Tage später tot und schwerst mißhandelt am Straßenrand aufgefunden. Als Mörder galt schnell ein lange gesuchter Serienkiller, der seine Opfer folterte, brandmarkte und dann tötete. Zum Glück konnte er geschnappt und für immer eingesperrt werden...

Doch acht Jahre später erhält Beck eine irritierend-arlamierende e-Mail, zum Jahrestag... Der Text verrät intimes Insiderwissen und läßt nur zwei Möglichkeiten zu: Entweder erlaubt sich hier ein sehr gut Eingeweihter einen schlechten Scherz, oder aber... so unglaublich es scheint... Elisabeth lebt! Doch, wie kann das sein? Wer ist denn dann die gefundene und vom eigenen Vater als Elisabeth identifizierte Tote? Wieso war Elisabeth so lange so vollständig verschwunden, und wo ist sie überhaupt?

Die Mailabsender führen ins Leere, die kurzen Texte sind verschlüsselt. Eine Filmbotschaft, die Elisabeth kurz vor einer Überwachungskamera zeigt, in irgendeiner Straße, überzeugt Beck letztendlich: Auch geschickte Videomanipulationen können einen Menschen nicht so gekonnt genau acht Jahre älter erscheinen lassen... die Augen... den Ausdruck...

Nun ermittelt Beck, und er hat allen Grund zur Intensität - denn inzwischen untersucht auch das FBI den Fall erneut und verdächtigt Beck, die Gattin wegen der Lebensversicherung selbst ermordet zu haben. Zumal justamente zu dieser Zeit zwei männliche Leichen am Tatort entdeckt wurden, die gut verbuddelt waren und aller Wahrscheinlichkeit nach kurz nach Elisabeth ermordert wurden... Waren das vielleicht Becks Komplizen?

Der Fall wird immer verwickelter, und der Leser lernt viele, viele Figuren kennen. Unter anderem eine brutale Mafiaqlique mit dem in diesem Genre wohl unvermeidlichen Kampf-Asiaten, dessen Hände tödlicher sind als jedes Maschinengewehr. Der Chef, also der Pate dieses Vereins, ist ein biederer, steinreicher Herr, von dem man so nach und nach erfährt, daß sein geliebter Sohn vor Jahren erschossen worden ist. Seitdem ist der Paten-Papa auf Rache aus und geht dabei mit Hilfe seines Asia-Brutalos gnadenlos zu Werke.

Was nun das Honeymoon-Paar Dr. Beck und Elisabeth damit zu tun hat, bleibt verwirrend lange im Dunkeln. Zumal der eine Kinderarzt ist und die Andere aufopfernde Streetworkerin. Doch dafür, daß die Verbindungen (die sich selbstverständlich so nach und nach herausstellen) so absolut jenseits allen Horizontes liegen, über so viele Seiten lang, wirkt die Besessenheit der Verfolger eher befremdlich als spannungssteigernd.

So ist die Mafia-Gang dermaßen technisch brillant ausgestattet und auf Dr.Beck fixiert, daß sie von Anfang an jeden seiner Schritte mitverfolgen können. Sie haben sofort Zugang zu seinem PC, zu seinen Mails und wissen es zeitgleich, wenn Beck seinen PC anschaltet und die geheime Homepage sucht. Sie wissen, wann er wo zu wem geht und interessieren sich brennend für das warum. - Sie wissen auch, daß Elisabeth wohl noch lebt und wollen rauskriegen, was Beck weiß. Nach acht Jahren sehr überzeugendem Witwer-Lebens des Arztes... Da hat aber jemand einen sehr langen Atem!

Dieses erstaunliche Interesse hat recht tödliche Folgen für komplett Unbeteiligte, und damit wird es nervig: Der Kampfasiat hat kein Problem damit, eventuell Verdächtige (die was-auch-immer EVENTUELL wissen könnten), daheim aufzusuchen, diese zur Begrüßung ins Knie zu schießen, dann was zu fragen... dann ist das andere Knie dran und dann die nächste Frage... Und wenn nach zwei Stunden klar ist, das der so Verhörte wirklich nix weiß, wird er dann von seinen Qualen erlöst und entsorgt.

Diese schockierend-plötzliche Gewalt, die so sinnlos erscheint, schien hier fast mit Genuß beschrieben zu werden. Ein kleiner Gauner, der ein bissel vor sich hin erpresste wegen Kenntnis privater Pornofilm-Pay-TV-Nutzung und der für die Handlung nicht wichtig ist, hat eigentlich nur den Daseinszweck, dem Leser diesen Folter-Mafia-Tod mal vorsterben zu dürfen, ehe es eine Freundin von Beck erwischt.
Diese hatte acht Jahre lang (!) keinen (!!!) Kontakt zu Beck, und bloß, weil er sie besucht, wird auch sie dazu gebracht, ihre komplette Ahnungslosigkeit in einem langen Sterben kundzutun.

Der Mafia-Boss monogolisiert einmal über seine unendliche Trauer um den unendlich geliebten einzigen Sohn, und der Schlüssel seiner Rache ist die totbehauptete, verschwundene Elisabeth.

Wieso-weshalb-warum, erfährt der Leser dann auf den letzten Seiten. Inzwischen hat Beck echt harte Zeiten durch, mit Haftbefehl, schmerzhaftem Kontakt zu dem Kampfasiaten (den er aber überleben darf, da ihm inzwischen ein kleiner Gauner und Papi eines Beck-Patientenkindes hilft), Fast-Treffen mit seiner doch nicht toten Frau und etlicher Aufregungen mehr. So erkennt er so nach und nach, daß sein Schwiegerpapi wohl auch nicht so "ohne" ist und was wissen muß...
Zum Glück schöpft nun auch einer der FBI-Verfolger Verdacht zu Gunsten des Gejagten, da die Spur zu Dr. Beck im plötzlich allzu glatt erscheint. Außerdem hat Beck zur Mordzeit der Freundin (ja, auch das sollte ihm angehängt werden!), doch noch ein Alibi, dank seines Hundes...

Der Schluß ist dann wieder überraschend und gekonnt. Und in der Auflösung erscheint das Vorherige dann auch schon wieder plausibel.

Aber die vielen Seiten davor... himmelhilf, die waren teils doch sehr konstruiert und anstrengend!

Mein Eindruck: Coben hat seiner eigenen cleveren, spannenden Grundidee nicht genug vertraut und diese mit etlichen Irritationen, Seitengassen, Revolver-Geld-und-Gewalt-Mafiazutaten und falschen Spuren aufzupeppen versucht. Das tat dem Krimi nicht gut und begrub ihn streckenweise unter überflüssigem Geröll und zähflüssigem Hin-und-Her.

Zum (gelungenen!) Schluß ist mal leider zu erschöpft, um ehrlichen Herzens diesem Krimi applaudieren zu können... Schade! Aber dafür soll ja der Film richtig gut sein!

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Weitere ISBN:
978-3-442-45251-4, 978-3-4424-5251-4
978-3-44245-251-4, 978-3442452514, 978-3-44-245251-4

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