Keks, Frau K. und Katastrophen: Alle Geschichten und 39 mehr
von Fanny Müller - ISBN 9783861505358
Gebundene Ausgabe, 592 Seiten
Veröffentlichung Dec 2004 bei ZWEITAUSENDEINS
Amazon-Verkaufsrang #157491
Bewertung 4.5/5.0 bei 5 Meinungen
gebraucht: ab 28.00 Euro
Autor: Fanny Müller
ISBN 9783861505358
ISBN 3861505355 (alt)
Die Redaktion hat noch keinen Eintrag verfasst.
Kritik zu Keks, Frau K. und Katastrophen: Alle Geschichten und 39 mehr
Komik, die das Leben schreibt vom 03.02.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 1 von 1 Besuchern hilfreich
Die in Hamburg lebende Fanny Müller (Jahrgang 1941) hat seit den 90er-Jahren vier Bücher mit ihren meist 1-2-seitigen Alltags-Kolumnen veröffentlicht. Der distinguierte Verleger Gerd Haffmanns hat nun löblicherweise diese vier Werke als Gesamtband bei Zweitausendeins herausgebracht und um 39 weitere Geschichten angereichert.
"Frau K." erzählt die Erlebnisse von Fanny M. mit ihrer omnipräsenten Nachbarin, der über 80jährigen Frau K., und ihrer Dackelin Trixi. Frau K. ist die Resolutheit in Persona, die mit dezidierten Meinungen um sich wirft und dabei niemals ganz recht oder unrecht hat. Das schnoddrige Hamburgerisch von Frau K. und Konsorten kontrastiert dabei sehr hübsch mit Müllers gewählter, präziser Erzählsprache. Beispielsweise in einer Szene um für die Jahreszeit unangemessenen braunen Farn im Garten: "Frau K. ... ist gerade in einen gegen Unbekannt gerichteten Monolog verwickelt: 'Das kommt alles vonner Umwelt', höre ich sie sagen.'"
"Mein Keks gehört mir" ist eine breiter gestreute Kolumnensammlung, die sich in Lebensbereiche wie Familien-, Beruf-, Vereinsleben oder "Ying & Yang" gliedert. Es geht um die lange Praline des Mannes, die alleine noch keine Hochzeit erforderlich mache, die Überlegenheit der Provinz über die Großstadt und gesellschaftliche Etikette. Man liest etwa von einem Ehemaligen Fanny M.s, der von der Kriegsverweigerkommision gefragt, was er, wenn das österreichische Bundesheer in Deutschland einmarschieren würde, denn zu tun gedenke, antwortet: "Ich rufe die Feuerwehr an." Später wird das Thema Kultur mit dem folgenden Satz eigentlich bereits erschöpfend abgehandelt: "Als Kind hielt ich Kultur für etwas, das Erwachsene in einem Beutel mit sich führen, wenn sie verreisen."
In "Das fehlte noch!" geht es um Mantas und Mantras, das Ausbleiben attraktiver männlicher Groupies auf Lesungen und schelmische Aktivitäten mit Künstlerkollegen bei kulturellen Zusammenkünften. "Für Katastrophen ist man nie zu alt" widmet sich der altersunabhängigen Resistenz gegen die Gebote der Vernunft und Unbill, das einen je nach Lebensbereich oder Stimmung ereilen kann. Mit "Sag ich doch", einem Blumenstrauß unterschiedlichster stacheliger bis wütender Kolumnen, geht dieser Prachtband zuende.
Fanny Müller entlarvt in ihren Texten die Unterscheidung Niveau versus Ungehobeltheit als das, was es ist: ein Kontinuum. Das Leben als Anhäufung skurriler Alltagsgeschichten und Absurditäten, die von den Figuren von nebenan geschrieben werden: berühmte Zeichner, die per Räuberleiter einen Zaun überqueren oder Schlagersänger, die für Punks Zugaben singen müssen. Das Ganze unkapriziös in knappe, feine Sprache verpackt mit super-dosiertem Witz, der oft ohne Pointen auskommt. Der Humor von Autoren wie Max Goldt, Ror Wolf oder Heino Jaeger, ergänzt um viel Bodenhaftung, zunehmend Wut und einen am Ende gehörigen weiblichen Touch - ungefähr das ist Fanny Müller. Und einiges mehr. Unbedingt zu empfehlen.
978-3-861-50535-8, 978-3-8615-0535-8
978-3-86150-535-8, 978-3861505358, 978-3-86-150535-8
- Charlotte Roche: Feuchtgebiete
- Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben.
- Sven Regener: Der kleine Bruder
- Helmut Schmidt: Außer Dienst: Eine Bilanz
- Sabine Ebert: Die Entscheidung der Hebamme
- Yellow Tanabe: Kekkaishi: Kekkaishi 05: Bd 5
- Walhalla und Praetoria: Bürgerliches Gesetzbuch mit Einführu
- Bryan Sykes: Keine Zukunft für Adam. Die revolutio

