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Kleines Konversationslexikon für Haushunde

von Juli Zeh - ISBN 9783895610585

Gebundene Ausgabe, 198 Seiten
Veröffentlichung Aug 2005 bei Schöffling
Amazon-Verkaufsrang #149607
Bewertung 5.0/5.0 bei 9 Meinungen
neu: ab 19.90 Euro
gebraucht: ab 4.92 Euro
Autor: Juli Zeh
ISBN 9783895610585
ISBN 3895610585 (alt)

Meinung der Redaktion zu Kleines Konversationslexikon für Haushunde

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Kritik zu Kleines Konversationslexikon für Haushunde

Amicus optima vitae possessio - Ein Freund ist der beste Besitz des Lebens vom 01.09.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
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Salve, Othello!

Erfreulicherweise hat sich mein homo sapiens zur Fortbildung entschlossen und dieses Buch gekauft. Und für einen älteren, in -> Telekinese (für die noch Unwissenden unter uns, dies ist der dritte Dan in der Disziplin des Lass-Falln-und-Gong) geübten Haushund ist es natürlich kein Problem dieses Werk während der Nachtruhe seines homo sapiens vom Sofa auf den Teppich zu transportieren, um es ausgiebig zu studieren. Schließlich wissen auch Haushunde den Austausch mit Artgenossen zu schätzen.

Allerdings war es bestürzend festzustellen, dass kleine Hunde vom Verfasser dieses Werkes als lächerlich betrachtet werden - von oben und von unten. Der kluge Haushund möge die Augen verschließen und unbeteiligt weitergehen, so lautet die Empfehlung. Nun hat es der Verfasser aber unterlassen zu definieren was genau als "kleiner Hund" anzusehen ist. Nur die Kategorie -> Hunde, große wurde näher erläutert; die Kategorie -> Hunde, mittlere fehlt hingegen. Möglicherweise fallen also Dackel (auch Dachshund oder Teckel genannt) gar nicht unter diesen Sammelbegriff -> Hunde, kleine. Es gibt ja noch kleinere Exemplare und außerdem sagt sogar meine Physiotherapeutin "Grosser" zu mir, ich bin nämlich ein richtig stattliches Exemplar. Mangels genauerer Angaben betrachte ich mich also dieser Kategorie -> Hunde, kleine als nicht zugehörig (-> Ausschlussverfahren).

Das bringt mich gleich zu meinem ersten Verbesserungsvorschlag: -> Comic-Hunde, wobei ich den Begriff -> Comic-Helden den Vorzug geben würde. Der Verfasser kennt offensichtlich nur fünf davon: Idefix, Struppi, Pluto, Snoopy und Rantanplan. Was aber ist mit dem besonders in Deutschland beliebten "Wurzel"? Jeden Samstag studiert mein homo sapiens in seiner Wochenendbeilage dessen neueste Abenteuer und Erfahrungen. Allerdings ist dieser Wurzel eben auch ein Dackel und somit womöglich vom Verfasser dieses Werkes als -> kleiner Hund klassifiziert. Dabei wird aber allzu leicht vergessen, dass sich gerade diese Gattung (den Begriff Rasse mag ich genauso wenig wie Othello) durch eine gewisse Selbstständigkeit und Bindungsunwilligkeit auszeichnet. Diese Qualitäten werden im Übrigen vom Ersteller der Comics akkurat wiedergegeben. Wir sind eben die einzigen Hunde mit Charakter, wie ein Verwandter meines homo sapiens korrekterweise festgestellt hat. Leider führt dies aber auch zu einer stärkeren Konsequenz im Verhaltens meines homo sapiens.

Zurück zum Thema, nicht nur Wurzel sollte auf der Liste der Comic-Hunde mit aufgeführt werden, der Vollständigkeit halber will ich nicht leugnen, dass auch eine Deutsche Dogge ewigen Ruhm als Comic-Hund erreicht hat: Scooby-Doo! Ursprünglich ein Samstag-Morgen-Zeichentrickfilm, hat es dieser Hund bis zum Kinohelden geschafft. In Ermangelung einer passenden Oscar-Kategorie (Vorschlag "Der beste Hunde-Hauptdarsteller") leider ohne ausreichende Würdigung der Verdienste.

Des Weiteren würde ich den Bereich -> Simulant um eine Warnung ergänzen: ACHTUNG während einer Simulation ist absolute Konzentration gefordert! Versucht Haushund zum Beispiel durch extremes Langsamgehen verbunden mit gleichzeitigem Hinken seinen homo sapiens zu kürzeren Spaziergängen zu bewegen, so darf auf keinen Fall die Schrittfrequenz erhöht werden, um a) Katzen hinterher zu jagen oder b) Artgenossen, die sich auf der anderen Strassenseite befinden, zu begrüßen. Eine Erhöhung der Schrittfrequenz oder gar ein so genannter Galopp ist in derartigen Fällen absolut kontraproduktiv, da homo sapiens sofort die Simulation durchschaut und beim nächsten Mal nicht mehr wie gewünscht reagiert. Also aufgepasst, Kollegen!

Recht geben muss ich Othello zu seinen Erfahrungen in Sachen -> Restaurant. Erfreulicherweise gibt es aber zumindest in der warmen Jahreszeit eine Alternative namens Biergarten. Die Lass-Falln-und-Gong-Methode kann insbesondere dort geübt und vervollkommnet werden, sowohl der 1. Dan (Betteln), der 2. Dan (Hypnose) als auch der dritte Dan (Telekinese).

Zum Thema Badezimmer: aufgrund meiner langjährigen Erfahrung gibt es noch eine weitere Badezimmer-Hundeparanoia ... abgesehen von der "Wahnvorstellung des gemeinen Haushundes", dass homo sapiens durch eine zweite Badezimmertür eines Tages das Weite suchen wird. Ich nenne dies die Hilfe-ich-werde-geduscht-Badezimmer-Paranoia. Aufgrund der -> Hausordnung und -> Hygiene gehört dies zu den regelmäßig nicht zu vermeidenden Dingen des Lebens. Eine gewisse Unmutsbezeugung ist ausschließlich möglich, indem Haushund nach erfolgter Behandlung klatschnass durch die Wohnung läuft und sich möglichst in jedem Raum einmal schüttelt. Leider ist der Erkenntniswille respektive die Lernbereitschaft bei homo sapiens für eine Änderung seines Verhaltens nur unzureichend oder womöglich gar nicht vorhanden.

Zum Thema Tierheim mussten mein homo sapiens und ich im Übrigen auch noch die Nach-einem-Jahr-Kontrolle erdulden. Eine ärgerliche Sache. Fast hat Haushund die Erinnerung an die Zwei-Quadratmeter-Zelle inklusive zugehörigen Pflegern erfolgreich in die hinterste Kammer seines Gehirns verbannt, da erscheinen eben diese Pfleger überraschend zu einem Kontrollbesuch in seinem neuen Heim ... ohne Mitbringsel wohlgemerkt. Haushund schleicht argwöhnisch um diese beiden homines sapientes, verinnerlicht noch einmal die Hausordnung, ignoriert sogar die Nachbarskatze ... und ist unendlich erleichtert, als der Besuch nach einer Stunde ohne ihn von dannen zieht. Aber die Alpträume kehren für eine gewisse Zeit wieder ...

Danke für die Information, dass der Genfer International Court of Justice for Animal Rights von der Bundesrepublik die Einrichtung einer -> Office for Dogs verlangt. Schön, dass es ein Urteil vom 7. Mai 2001 gibt, in welchem die Diskriminierung von Hundebesitzern festgestellt wird. Leider hat die Verwaltung in meiner Heimatgemeinde noch nichts davon gehört - oder warum ist es dem gemeinen Haushund verboten ausgerechnet den Seepark zu betreten? Netterweise hat der Verfasser dieses Werkes den Internetlink angegeben, unter dem weiterführende Informationen erhältlich sind.

So Othello, verehrter Artgenosse, Dank sei dir gesagt für all die Ausführungen zum Leben eines Haushundes. Mit Genuss habe ich die Zeilen verinnerlicht und hoffe nur, das auch mein homo sapiens die richtigen Lehren daraus zu ziehen vermag.

Es grüßt dich aus der Ferne,
Toni, der Dackel


Weitere ISBN:
978-3-895-61058-5, 978-3-8956-1058-5
978-3-89561-058-5, 978-3895610585, 978-3-89-561058-5
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