Krebs. Eine Nacherzählung
von Werner Schneyder - ISBN 9783784431277
Gebundene Ausgabe, 160 Seiten
Veröffentlichung Jan 2008 bei Langen/Mueller
Amazon-Verkaufsrang #22041
Bewertung 3.5/5.0 bei 8 Meinungen
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Autor: Werner Schneyder
ISBN 9783784431277
ISBN 3784431275 (alt)
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Kritik zu Krebs. Eine Nacherzählung
Ein trauriger langer Abschied vom 21.05.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 17 von 20 Besuchern hilfreich
Werner Schneyder Krebs Langen / Müller
ISBN : 3784431275
Ein trauriger langer Abschied!
Das Titelbild des Buchumschlags suggeriert Ruhe, Unendlichkeit und den Blick ins Nichts.
Der nachfolgende Buchtext gibt den Bildeindruck gewissermaßen in Worten wieder: er ist ein Spagat zwischen Poesie und Realität, zwischen eindringlicher sprachlicher Darstellung eines Zustandes, der zwischen Unglauben, Hoffnung, Aktion und dem täglichen Einerlei schwankt. Das Unsagbare und Bedrohliche unserer aller Existenz wird erkennbar.
Werner Schneyder ist Journalist, Publizist und Kabarettist. Bekannt wurde er mit dem Politkabarett der Münchner Lach - und Schießgesellschaft. Er ist als freiberuflicher Autor und Regisseur für Radio und Fernsehen tätig. Eines Tages wird Werner Schneyder mit der Diagnose Krebs bei seiner Frau konfrontiert! Sie überlebt die Hiobsbotschaft nur um zwei Jahre.
Vermutlich ist es ein Akt der versuchten Bewältigung, wenn er in seinem Buch über ihr Sterben sein Befinden zwischen Zuversicht und Verzweiflung scharf und deutlich seziert.
Da werden Emotionen offenbar, die sicher exemplarisch sind für Menschen in einem ähnlichen Zwischenreich, in dem Schneyder und seine Frau fortan leben. Bevor der Tod kommt, stirbt schon die Gemeinsamkeit, das Wir-Gefühl, denn ein jeder will den anderen mit der Wahrheit verschonen.
Es folgt über lange Zeit und immer von neuem die Suche nach dem richtigen Arzt und die immer wieder aufkeimende Hoffnung, wenn sich einer als besonders kompetent erweist. Tiefe Abstürze erleben beide, wenn sich Diagnose an Diagnose reiht, einmal mit positiven Aussichten, dann wieder mit der totalen Verzweiflung im Gefolge. Die Gedanken, die um das Leben nach dem möglichen Tod des Partners kreisen: wie viele Menschen erleben solche oder ähnliche Gedanken in vergleichbarer Lage und trauen sich nicht, darüber zu sprechen?
Allein: nicht jeder vermag so ehrlich und offensiv davon zu berichten wie Werner Schneyder. Radikal und tief betroffen berichtet er noch das kleinste Detail, um die Wahrheit über den Tod und das Sterben in den Fokus zu rücken. Nicht um die Entblößung der Sterbensgeschichte geht es ihm, sondern um das Wachrütteln und den Appell, das Thema nicht auszublenden und sich die Tragweite medizinischer Versorgung und ihrer Defizite bewusst zu machen.
Er und seine Frau führen einen Kampf um das Sterben, und er nimmt seine Leser mit auf diese Sterbensreise. Dass wir ihm darin folgen, ist Teil einer Strategie, mit der wir Lebenden danach trachten, uns mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Geburt und Tod bleiben die großen Mysterien unseres Daseins. Keine noch so kluge Erkenntnis in den Wissenschaften kann uns dabei helfen, wie wir mit unserem Tod umgehen wollen. Das tägliche Geschehen, sei es in der Politik, im Beruf oder im Leben mit guten Freunden und in der Familie: im Angesicht des Todes wird alles unbedeutend und nichtig und lässt uns verstummen!
Geradezu erbärmlich aber bleibt die Geschichte der Medizin in diesem Todesdrama. Fast keiner der hier behandelnden Ärzte ist bereit, sich zu stellen und zu akzeptieren, dass er mit seiner Kunst am Ende ist. Unter dieser Prämisse werden unnötige Versuche angestellt, um dem Patienten eine Lebensverlängerung abzuringen. Angehörige und Kranke werden zu Opfern dieser Medizin. Patienten lassen in ihrer Todesnot die vielen Medikationen hilflos über sich ergehen, weil sie in ihrer geschwächten körperlichen Verfassung den Verlockungen der möglichen Lebensverlängerung nicht widerstehen können. Das einzige Wahre, die rechtzeitige Schmerztherapie, kommt fast immer zu spät. Grotesk sind die Einwendungen einer jungen Ärztin, dass sie die Suchtgefahr bei der richtigen Schmerztherapie mit bedenken müsse! Wer kann denn daran im Endstadium einer Krankheit noch denken?
Werner Schneyders Verdienst ist es, die Vorgänge bis zum endgültigen Aus veranschaulicht zu haben. Für diejenigen, die sich nicht so gut ausdrücken können, ist Hilfe durch Mitmenschen, die ihre Einsichten so klar verbalisieren können wie er, von unschätzbarem Wert.
Am Ende aber stirbt jeder für sich alleine!
978-3-784-43127-7, 978-3-7844-3127-7
978-3-78443-127-7, 978-3784431277, 978-3-78-443127-7
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