Leben auf dem Menschen: Die Geschichte unserer Besiedler
von Jörg Blech - ISBN 9783499608803
Taschenbuch, 218 Seiten
Veröffentlichung Jun 2000 bei Rowohlt Tb.
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Bewertung 5.0/5.0 bei 9 Meinungen
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Autor: Jörg Blech
ISBN 9783499608803
ISBN 3499608804 (alt)
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Kritik zu Leben auf dem Menschen: Die Geschichte unserer Besiedler
Ungewöhnliche Perspektive sehr lesenswert vom 05.03.2007
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 2 von 2 Besuchern hilfreich
Viele wollen es nicht wahr haben, manche sind schlicht ahnungslos: Wenn wir nicht mit Mikroorganismen besiedelt wären, ginge es uns ganz dreckig - oder es ginge gar nichts.
Der Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftsredakteur und Buchautor ("Heillose Medizin"; "Die Krankheitserfinder") gibt uns einen ungewohnten Einblick in das Biotop 'Mensch'. Sein Verdienst ist, Verständnis zu wecken für die Zusammenhänge und die Wechselwirkungen eines großartigen Ökosystems. Deshalb ist das Buch immer noch lesenswert, auch wenn die Erstausgabe bereits im Jahr 2000 erschienen ist und die Forschung im Detail fortschreitet (derzeit ist die 5. Auflage von 2006 im Handel).
Untrennbar mit uns verbunden ist eine unvorstellbare Zahl von Mikroorganismen. Bakterien, die uns während der gesamten Menschwerdung begleitet haben und auf den Mensch optimiert sind, dienen als Schutzschild gegen fremde Bakterien; andere verdauen unsere Speisen. Bakterien sind verantwortlich dafür, wie wir riechen (und wen wir mögen) und dafür, dass Hund Herrchen oder Frauchen wiedererkennt. Dadurch, dass wir dieses unser Ökosystem besser kennenlernen wird auch klarer, warum Infektion nicht das gleiche bedeutet wie Krankheit.
Jörg Blech bespricht Viren, Bakterien, Pilze, Amöben, kleinste Würmer und Milben (keine Angst, ganz winzig: 0,3 mm), Insekten und den Blutegel (den wir in Europa praktisch ausgerottet und gleichzeitig zum nicht zulassungspflichtigen Arzneimittel befördert haben). Wem's zu gruselig wird, darf sich dem Kapitel über die Verkeimungsphobie ("Klassiker unter den Zwangsstörungen") zuwenden. Wen das Gruseln schauerlich ergötzt lese nach, wie ein totes Schwein im Pyjama einen Mord aufklären kann.
Das ein oder andere Detail mag im Laufe der Jahre ergänzt werden müssen (so hofft der Autor im Kapitel über Papillomviren darauf, dass in "naher Zukunft" Impfstoffe gegen Viren entwickelt werden können, die in Menschen Tumoren hervorrufen: Im September 2006 wurde in der Europäischen Union der erste Impfstoff gegen Papillomviren zugelassen). Nicht ganz fair scheint mir der Seitenhieb gegenüber Ärzten zu sein. Jörg Blech impliziert, dass die seit den 90er Jahren zur Verfügung stehenden Antibiotikatherapie gegen Heliobacter pylori (Ursache von Magengeschwüren) deshalb zögerlich angewendet würde, weil sich an "Stammkunden" "trefflich" verdienen ließe. Da mag es noch andere nachvollziehbare Gründe geben. Jörg Blech hatte wohl damals schon für die erwähnten Bücher recherchiert, die in der Tat Missstände aufdecken.
Das Buch ist für Laien geschrieben und stellenweise geradezu spannend. Mancher Ratschlag (nicht zu übertrieben waschen, Zähne putzen) wird einsichtiger. Nachdem ich die Darstellung des Biofilms auf den Zähnen, dieses einzigartigen Netzwerks von etwa zwanzig kooperierenden Bakterienarten, studiert habe, bin ich erst mal Zähneputzen gegangen: Ein bewusster, radikaler Eingriff in mein Biotop. Ganz ohne schlechtes Gewissen.
978-3-499-60880-3, 978-3-4996-0880-3
978-3-49960-880-3, 978-3499608803, 978-3-49-960880-3
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