Licht (Heyne-Bücher Allgemeine Reihe)
von M. John Harrison - ISBN 9783453520042
Taschenbuch, 443 Seiten
Veröffentlichung Dec 2004 bei Heyne
Amazon-Verkaufsrang #28215
Bewertung 2.0/5.0 bei 36 Meinungen
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Autor: M. John Harrison
ISBN 9783453520042
ISBN 3453520041 (alt)
Aus der Amazon.de-Redaktion:
Selbst in seiner Heimat Großbritannien wird M. John Harrison noch immer als Geheimtipp gehandelt. Und das trotz seines herausragenden SF-Romans The Centaury Device und einer Fantasyserie, die stilistisch wie thematisch bahnbrechend war: Viriconium. Neben Gene Wolfe gehört er zu den großen Erneuerern der Phantastik in den 70er und 80er Jahren, und heutige Starautoren wie China Miéville und Jeff VanderMeer wären ohne seinen Einfluss gar nicht denkbar.
Sein neuster Roman Light hat im angloamerikanischen Raum bereits für Aufsehen gesorgt und liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor. Zwei Handlungsstränge entführen den Leser in das Jahr 1999 und in eine ferne Zukunft.
Eigentlich soll sich Michael Kearney ganz der Arbeit an einem Quantencomputer widmen. Aber er ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich mit Phantasiegestalten aus seiner Jugend herumzuschlagen -- mit teilweise tödlichen Folgen für seine Mitmenschen. Seria Mau Genlicher hat 400 Jahre später ein ähnliches Problem: Auch sie verliert immer mehr den Bezug zur Realität, denn sie lebt in symbiotischer Einheit mit einem Hightech-Raumschiff. Kearney wie Genlicher ringen mit ihrem Menschsein, und beide machen sie eine Entdeckung, die die Zukunft ihrer Zeit für immer verändern wird ...
M. John Harrison hat einen Roman geschrieben, der ohne alle Klischees auskommt und völlig kompromisslos ist, in sprachlicher wie in moralischer Hinsicht. Licht bedeutet einen Quantensprung für die Science Fiction ähnlich den frühen Romanen von Ian M. Banks. Dabei gelingt Harrison etwas, woran John Clute -- auf ähnlich hohem Niveau -- in Sternentanz gescheitert ist: Für Leser, die sich erst einmal auf seine Welt und seine Sprache eingelassen haben, bleibt er zugänglich. Licht ist ein einsamer Höhepunkt der modernen SF, ohne jede Einschränkung ein Meisterwerk. --Hannes Riffel
Kritik zu Licht (Heyne-Bücher Allgemeine Reihe)
Harte Space Opera, lyrisch vorgetragen vom 06.03.2008
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 1 von 2 Besuchern hilfreich
Erinnerung: Nach von geschickt geschnittenen Trailern geschürter Erwartung eines Horrorfilms verlassen 90% der Kinobesucher M. Knight Shyamalan's "The Village" schimpfend und lästernd. Dabei ist dem Marketing der Produktionsfirma vorzuwerfen, das falsche Publikum in ein magisch-schönes Märchen gelockt zu haben, und dem richtigen Publikum den Film wegen einer falsch installierten Erwartung den Film noch verdorben zu haben.
Einen ähnlicher Sachverhalt - man kann es an den tobenden Rezensionen zum Teil ablesen - findet man bei M. John Harrison's "Licht" vor. Die Schere zwischen Fachrezensenten und lesender Plebs ist weit offen: Im anglikanischen Raum lobt man den Roman als frischen Impetus für ein stagnationsgefährdetes Genre, als sprachliches Meisterwerk der Oberklasse.
Wie kommt's? Da ist zum einen die Präsentation des Werks: Ein flammenspeiendes Raumschiff hinter silbernen fetten Buchstaben, ein Klappentext der zum aktuellen Perry Rhodan bestimmt gut passen würde.
Zum anderen - Schande, wieder mal, über das deutschsprachige Fach - hat man den Leser im Laufe der Jahre erfolgreich mit der Korrelation "Science Fiction = easy reading = belanglos" indoktriniert.
Derartige Erwartungen muss Harrison schon auf den ersten paar Seiten enttäuschen, denn dieses Werk ist zwar echte Science Fiction, aber es ist weder einfach gestrickt noch einfach zu lesen. Konzentration ist gefordert, ein sich Einlassen auf die faszinierende Prosa, auf die düstere Stimmung, die kranken Charakterbilder: Michael Kearney, der von Kindheitstraumata verfolgte Physiker und Serienkiller, Ed Chianese, der klischeehafte, abgewrackte Raumabenteurer, Seria Maù Genlicher, identisch mit ihrem Raumschiff, auf der Suche nach ihrer eigenen Menschlichkeit. Die Geschichten der drei fließen zuletzt in einer bombastischen Klimax zusammen, aus der ich Harrison's augenzwinkernden Kommentar zur klassischen Space Opera herauslese. Seine Vertrautheit mit Genreelementen hat er zu diesem Zeitpunkt längst mit einem Schuss Humor und faszinierender sprachlicher Gewandtheit unter Beweis gestellt.
Zum vermeintlich pornographischen Aspekt dieses Romans entgegne ich allen, die mit vor den Mund geschlagener Hand und aufgerissenen Augen vor dieser Lektüre gesessen haben: Zu einer Zeit, in der eine (Ex-)Fernsehmoderatorin grinsend durch alle Feuilletons tingelt um dort freimütig von ihrer Dehnbarkeit und Abneigung gegen Körperhygiene zu berichten, braucht sich der mündige, erwachsene Bürger bei Lesen eines Wortes wie "Masturbation" nicht mehr erschrecken. Angesichts der vergleichsweisen Harmlosigkeit der - zugegeben häufig - dargestellten Geschlechtsakte scheint mir die Empörung mancher Rezensenten geradezu bedenklich im Lichte einer an sich bereits als langweilig abgestempelten sexuellen Befreiungsideologie. Jedem echten 68er würde das hier geschriebene vermutlich nicht mal ein gelangweiltes Schulter- oder sonstiges Zucken entlocken.
Diese Charakteristika müssen Sie mitbringen, wenn dieser Roman für Sie nicht zur Zeitverschwendung werden soll: Einen guten Magen; ein Interesse an schrägen Charakteren; eine Unerschrockenheit gegenüber bizarren Szenarien; und eine Freude mit als Prosa verkleideter, expressiver Lyrik, mit entfesselter, machtvoller Sprache. Dann werden Sie diesem Buch vielleicht auch lange nach der letzten Seite noch den einen oder anderen schönen Gedanken widmen.
978-3-453-52004-2, 978-3-4535-2004-2
978-3-45352-004-2, 978-3453520042, 978-3-45-352004-2
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