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Mao: Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes

von Jung Chang - ISBN 9783570550335

Broschiert, 976 Seiten
Veröffentlichung Jun 2007 bei Pantheon
Amazon-Verkaufsrang #13763
Bewertung 3.5/5.0 bei 8 Meinungen
neu: ab 16.80 Euro
gebraucht: ab 15.59 Euro
Autor: Jung Chang
ISBN 9783570550335
ISBN 3570550338 (alt)

Meinung der Redaktion zu Mao: Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes

Die Redaktion hat noch keinen Eintrag verfasst.

Kritik zu Mao: Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes

"Marx - Engels - Lenin - Stalin - Maoooo Tse-Tung!" ... vom 28.08.2008
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 5 von 5 Besuchern hilfreich

... so skandierten Jungakademiker, die sich für eine aufklärerische Avantgarde hielten, vor einigen Jahrzehnten. Dabei konnte man auch schon damals wissen, dass nicht nur Lenin und Stalin, sondern auch Mao ein Massenmörder war. Wer Maos mörderisches Wirken (und die Heilsverblendung der akademischen Wiedertäufer im Deutschland von 1967 ff.) auch jetzt noch ignorieren möchte, sollte dieses voluminöse Buch nicht lesen. Wer aber der Praxis sozialistischer und kommunistischer Revolutionäre unerschrocken und illusionslos ansichtig werden will, muss es lesen.

Zehn Jahre lang haben die beiden Autoren Interviews geführt und in chinesischen und sowjetischen Archiven recherchiert.

Über 70 Millionen Tote hat Mao zu verantworten, in Friedenszeiten wohlgemerkt. Selbst Stalins und Hitlers gigantische Blutspuren können sich damit nicht messen. In jedem Jahr von Maos Herrschaft befanden sich rund 10 Millionen Menschen in Gefängnissen oder in Arbeitslagern; die jährliche Sterblichkeitsrate lag bei mindestens 10 Prozent.

Schon in seinen späteren Jugendjahren zeichnete sich der 1893 geborene Mao durch grenzenlose Selbstsucht und Verantwortungslosigkeit aus, er betrachtete sich als "Großen Helden", der Freude an Aufruhr und Zerstörung hatte. "Ich bin nicht der Ansicht, dass das Motiv des Handelns, um moralisch zu sein, dem Nutzen anderer dienen muss", so charakterisierte er im Alter von 24 Jahren seine Einstellung. Dieser Einstellung blieb er offensichtlich sein Leben lang treu.

Als pars pro toto seien hier nur eine Epoche aus Maos Herrschaftszeit herausgegriffen, nämlich der "Große Sprung nach vorn".

In den Jahren 1958 bis 1961 findet der "Große Sprung nach vorn" statt. Hinter diesem euphemistischen und megalomanen Jargon verbirgt sich nichts anderes als das nackte Elend. Chinas Ziel, so wurde proklamiert, sei es, "alle kapitalistischen Länder in recht kurzer Zeit zu überholen und zu einem der reichsten, fortschrittlichsten und mächtigsten Länder der Erde zu werden." Tatsächlich wurden den Bauern gewaltige Mengen an Lebensmitteln abgepresst. Vielerorts hatten sie nur noch Erdklumpen zu essen. Diese Zwangsabgaben ermöglichten 1959 den Export von 4,74 Millionen Tonnen Getreide in die UdSSR. Auch wurden mehrere 10 000 Tonnen Getreide zur Treibstoffgewinnung für Raketentests verwendet. Die Zahl der Schweine ging während des "Großen Sprungs nach vorn" um annähernd 50 Prozent zurück. Allein in diesen vier Jahren starben fast 38 Millionen an Hunger und Überarbeitung - die größte Hungersnot in der Geschichte der Menschheit. Selbstverständlich focht Mao dieses Massensterben nicht an, war er doch der Auffassung, dass "der Tod ein Grund zur Freude" ist: "Wir glauben an die Dialektik, deshalb können wir nicht gegen den Tod sein." Und: "Die Toten sind nützlich, sie düngen den Boden."

Während der von Mao nur zum absoluten Erhalt seiner Macht angezettelten Kulturrevolution (1966-76) starben - außerhalb der Gefängnisse - mindestens drei Millionen Chinesen eines gewaltsamen Todes.

"Ich weiß, sie tranken heimlich Wein / Und predigten öffentlich Wasser", schrieb Heinrich Heine. Auch auf Mao traf dieses Diktum präzise zu: "Persönlich pflegte Mao den ausschweifenden Lebensstil eines Monarchen und lud damit dem Land immense Kosten auf." Während er dem Volk ultra-puritanischen Verzicht abverlangte, gab er in seiner abgeschotteten Privatsphäre jedem sexuellen Gelüst nach. Massenhaft wurden ihm junge Frauen zugeführt. Auch in finanzieller Hinsicht war er kein Anhänger der Frugalität: "Der Einzige, der in Maos China Millionär wurde, war Mao selbst." Die Bauern, denen angeblich seine tief empfundene Sorge galt, waren ihm völlig gleichgültig. Mao war ein nicht nur ein Kleptokrat, sondern auch ein Psycho- und Soziopath schlimmster Sorte.

Mao starb 1976. Fast drei Jahrzehnte später beherrschen noch immer sein Portrait und sein Mausoleum den Platz des Himmlischen Friedens in der chinesischen Hauptstadt. Sein Konterfei schmückt jeden Geldschein. Wird sich die VR China jemals aus seinem Bann lösen können?

Einige Mängel des Buches soll nicht verschwiegen werden: Die Schriften Maos werden weder systematisch referiert noch interpretiert. Dies muss als Mangel angekreidet werden, nicht deshalb, weil Mao als bedeutender Autor und Theoretiker gelten kann, sondern weil sein Einfluss und seine Macht ohne seine Schriften gar nicht verständlich werden. Diktatoren und Despoten wirken nicht nur durch Gewalt und Terror, sondern auch durch Ideen, die in brüllbaren Losungen kommuniziert und diffundiert werden.

Ein zweiter Mangel besteht darin, dass nicht klar genug herausgearbeitet wird, warum Mao die diktatorische Macht, die er hatte, erlangen und behalten konnte. Diktatoren können nur herrschen, wenn sie hinreichend viele freiwillige Gefolgsleute haben. Warum sind so viele Personen Mao freiwillig gefolgt?

Ein dritter Mangel ist wohl der, dass mitunter so viele Bäume gezeigt werden, dass der Wald bisweilen aus dem Blick gerät. Die Darstellung der Kulturrevolution (1966-76) z. B. wird über 12 Kapitel verstreut.

Diese Kritik ändert freilich nichts daran, dass ich dieses Buch jedem empfehlen kann, der sich mit der Praxis totalitärer Despotie befassen möchte. Lenin, Stalin, Hitler und Mao gehören zu den schlimmsten Figuren des vergangenen Jahrhunderts. Sie verkörpern all das, was Liberale verabscheuen und bekämpfen.

Weitere ISBN:
978-3-570-55033-5, 978-3-5705-5033-5
978-3-57055-033-5, 978-3570550335, 978-3-57-055033-5
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