Nomade auf vier Kontinenten. Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton
von Ilija Trojanow - ISBN 9783821847566
Gebundene Ausgabe, 350 Seiten
Veröffentlichung May 2007 bei Eichborn
Amazon-Verkaufsrang #17803
Bewertung 3.5/5.0 bei 8 Meinungen
neu: ab 24.95 Euro
gebraucht: ab 15.95 Euro
Autor: Ilija Trojanow
ISBN 9783821847566
ISBN 3821847565 (alt)
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Kritik zu Nomade auf vier Kontinenten. Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton
Eigenwillige Zusammenstellung vom 20.09.2007
Bewertung: 3 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 8 von 9 Besuchern hilfreich
Für Burton- und Trojanowbegeisterte ganz knapp 4 Sterne.
Während der 'Weltensammler' (=WS) in seiner Perfektion jeder Kritik entzogen scheint, verwundern die geteilten Meinungen zum 'Nomaden' kaum. Die offizielle Kritik lobt i.d.R. mehr die üppige Ausstattung als den Inhalt des Buches. Auch die in meiner WS-Rezension genannte Studie Dr. Ruffs äußert sich dazu auffallend knapp und trägt manche Bedenken:
'Trojanows letztes Buch, Nomade auf vier Kontinenten, fällt allenfalls unter einen weiten Literaturbegriff, indem es Gattungen, Textsorten und Stile mischt, wobei indes die journalistischen überwiegen. Allerdings findet sich auch Experimentelles, indem z.B. häufig originale Satzteile Burtons mit solchen des Autors zu neuen Sätzen gefügt werden. So erweist sich einerseits, daß sich manche Verhältnisse zumal in Afrika seither kaum geändert haben, andererseits aber auch von hier, daß der Weltensammler eben kein historischer Roman ist. Manches aus den Vorarbeiten zum Roman schlägt sich hier nieder, dazu Erfahrungen des Verfassers. Leider blieben Fehler stehen, das Buch ist ungleichmäßig, auch findet man hier nicht die außerordentliche Disziplin des Romans. Lesenswert ist es allemal, doch für die Fragestellung nach der Hochliteratur eignet dieser Veröffentlichung derzeit wenig Bedeutung, wenn sie auch womöglich erste tastende Schritte in bisher unerprobte Richtungen setzt.'(Zitat)
Tatsächlich fügen sich die Bestandteile nicht immer nahtlos; im Indienteil sticht S. 43 ff. ein ungewohnt schwülstiger Stil heraus, die bei Burton vorfindliche Schnurre von der 'entführten Nonne' ist unglaubwürdig und offenbar eingewandert, kaum indisch. Überhaupt bringt der Teil weniger ein als manche Reportage des Autors, immerhin Etliches zu Burton. Die Vorgänge um das Antiquariat und die Büchersuche schmecken gar etwas nach fantasy. Von den ausufernden Fußnoten weiß man nicht, ob sie das Vorbild nachahmen oder parodistisch gemeint sind, weil da neben Wissenswertem öfter völlig Nebensächliches steht.
Die Reiseerlebnisse Trojanows werden die meisten weniger interessieren, weil sie nicht im entferntesten mit denen Burtons mithalten, der Nordamerika-Abschnitt z.B. ist schon peinlich unergiebig. Nur die Hadj fasziniert, allerdings zitiert sich der Autor da weitläufig selbst. Zu den Afrika-Klischees S. 349 der Medien hätte man einen zornigen Exkurs erwartet. Insgesamt meint man, daß das Buch übereilt auf den Markt kam, schon das falsche lat. Motto folgt einer Verlesung im Web... Vorwürfe, es ginge nur um Geld, sind bei einem Berufsschriftsteller unangebracht, der erst unlängst bekannter wurde, außerdem findet sich viel Nützliches von / zu Burton, was das Verständnis des WS erleichtern kann. Besonders der Abdruck von 'Kasidah' samt guter Übersetzung erlaubt tiefe Einblicke, und das kritische Literaturverzeichnis wurde bereits gelobt. Mit Sicherheit wollte Trojanow Material nachliefern, das die feine Balance des WS beschädigt hätte, und dafür kann man nicht dankbar genug sein: Dieses beispiellose Kunstwerk ist wohlfeil mit dem 'Nomaden' bezahlt. Immerhin übertrifft das Buch noch die meiste Literatur unserer Tage.
Wohldotierte Preise und andere Förderung sollten Trojanow vom journalistischen Geschäft nun weitgehend entbunden haben, man wird sehen und darf hoffen.
978-3-821-84756-6, 978-3-8218-4756-6
978-3-82184-756-6, 978-3821847566, 978-3-82-184756-6
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