Nur Wissen kann Wissen beherrschen: Macht und Verantwortung der Wissenschaft
von Bernd-Olaf Küppers - ISBN 9783771643607
Gebundene Ausgabe, 570 Seiten
Veröffentlichung Apr 2008 bei Fackelträger-Verlag
Amazon-Verkaufsrang #175164
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Autor: Bernd-Olaf Küppers
ISBN 9783771643607
ISBN 3771643600 (alt)
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Kritik zu Nur Wissen kann Wissen beherrschen: Macht und Verantwortung der Wissenschaft
Ein kluges und lesenswertes Buch, dessen Resümee aber heftig widersprochen werden muss vom 27.05.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 9 von 9 Besuchern hilfreich
Die Frage, wie die Menschen, wie die Gesellschaften, in denen sich Menschen organisiert haben, mit den Wissenschaften, insbesondere mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften umgehen sollen, ist keine neue Frage. Immer wieder in der Vergangenheit wurde sie gestellt, wurde nach dem Wesen der Wissenschaft gefragt, nach ihren Forschungsgegenständen und welche davon erlaubt sind und welche nicht. Es wurde gefragt nach den Zielen von Wissenschaft und immer wieder "Qui bono?"
Welchen Wahrheitsanspruch erheben die Erkenntnisse und Ergebnisse der Wissenschaften ? Gibt es so etwas wie Objektivität? ( vgl.hier zu auch das Buch von Lorraine Daston und Peter Galison, Objektivität,, Suhrkamp 2007, ISBN 978-3-518-58486-6) Kann man in der Vielzahl der einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen einen inneren Zusammenhang oder gar Zusammenhalt erkennen ? Was hat Wissenschaft für Perspektiven in einer von der Zerstörung bedrohten Welt ? Hat sie eine ganz bestimmte Verantwortung oder gibt es so etwas wie wertfreie Forschung ?
All diesen Fragen geht der Jenaer Kulturphilosoph Bernd-Olaf Küppers in seiner umfangreichen, doch auch für Laien recht lesbaren Wissenschaftsgeschichte nach und versucht auf all die genannten Fragen eine zeitgemäße Antwort zu geben.
Die Hauptantwort, die er am Ende gibt, ist folgende: wie wissenschaftliche Erkenntnis verwertet wird, kann nicht die Wissenschaft entscheiden, sondern die Gesellschaft. Dafür stehen der Gesellschaft zwei Wege zur Verfügung. Der eine Weg ist der dogmatische, der ein verbindliches Wertsystem für alle vorschreibt, oft gespeist aus einem religiösen Hintergrund. Dies, so Küppers, widerspricht der Grundidee einer freien Gesellschaft. Der andere Weg ist der, die Relativität aller Werte anzuerkennen und damit zugleich einen Freiraum für die Entfaltung eines kritischen Wissens zu schaffen. Küppers wählt diesen als den einzig möglichen Weg, denn:
"Es sind nicht die Erkenntnisse der Wissenschaft, welche die Gesellschaft bedrohen und sie zur Sklavin der instrumentellen Vernunft macht. Vielmehr gehen die Gefahren für die Gesellschaft von einem Übermaß an Moral und Glaubensgrundsätzen aus, die sich überdies häufig widersprechen. So sind denn auch die gesellschaftlich-kulturellen Spannungen und Verwerfungen, die sich weltweit aufgetan haben, nicht darauf zurückzuführen, dass wir zuwenig, sondern dass wir zuviel Moral haben".
Küppers zitiert zustimmend Niklas Luhmann, der der Moral in der freiheitlichen Gesellschaftsordnung eine Quarantäne verordnet und wendet sich heftig gegen Hans Jonas, der gefordert hatte, "dass der Wechselwirkung von Wissensproduktion und menschlichem Handeln der 'Freiraum ethischer Neutralität' versagt werden müsse."
Sein abschließendes Statement sollte nach Auffassung des Rezensenten
heftigen Widerspruch unter Philosophen und Theologen hervorrufen:
"Der Verzicht auf Werte und der Ausgleich des Wertverlustes durch wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer aufgeklärten Gesellschaft, die in uneingeschränkter Freiheit ihr Schicksal in die Hand nimmt."
Vor einer solchen Freiheit fürchte ich mich. Wer, so wie der Rezensent , Hinweise auf fundierte Gegenpositionen sucht, sei auf einen neuen Suhrkamp-Band hingewiesen mit dem Titel "Ein Bewusstsein von dem, was fehlt. Eine Diskussion mit Jürgen Habermas".
Der dortige Diskurs führt meines Erachtens weiter und sollte unbedingt fortgesetzt werden.
978-3-771-64360-7, 978-3-7716-4360-7
978-3-77164-360-7, 978-3771643607, 978-3-77-164360-7
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