Postdemokratie
von Colin Crouch - ISBN 9783518125403
Broschiert, 159 Seiten
Veröffentlichung Aug 2008 bei Suhrkamp
Amazon-Verkaufsrang #1193
Bewertung 3.5/5.0 bei 3 Meinungen
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Autor: Colin Crouch
ISBN 9783518125403
ISBN 3518125400 (alt)
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Kritik zu Postdemokratie
Provokante Übertreibung vom 12.08.2008
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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Crouch sieht die Demokratie stark mit der Arbeiterbewegung verbunden. Deren Niedergang führt auch zum Niedergang der Demokratie. Demokratie nimmt den Verlauf einer Parabel: einem steilen Aufstieg folgt ein ebenso steiler Abfall. Das ist wahrscheinlich eher als Provokation gemeint - in der Sache kann man dem kaum zustimmen. Demokratie wächst. In Lateinamerika verschwanden die Militärdiktaturen, in Osteuropa die Einparteiensysteme. Einige Staaten Afrikas und Asien lassen Wahlen und Aktivitäten der Zivilgesellschaft zu. In Europa, Nord- und Südamerika finden mehr und mehr Volks- und Bürgerentscheide und Bürgerbeteiligungverfahren statt - erwähnt sei beispielsweise der Beteiligungshaushalt der südbrasilianischen Metropole Porto Alegre. Vor diesem Hintergrund wirkt Crouchs These vom Untergang der Demokratie ziemlich abwegig. Natürlich ist viel am Zustand der Demokratie auch in Europa zu kritisieren. Ein Vergleich der zweifellos mängelbehafteten europäischen Demokratien aber etwa mit den arabischen Diktaturen macht deutlich, dass von einer Postdemokratie bislang kaum die Rede sein kann. Eine von ihm behauptete Tendenz zum Schlechteren ist zumindest nicht durchgängig erkennbar. So wird der ermordete holländische Rechtspopulist Pim Fortuyn als Beispiel für die Postdemokratie dargestellt (S. 40). Tatsächlich gab und gibt es solche Figuren immer in Demokratien - anders als vor 70 Jahren können sie in Europa heute aber keine Mehrheiten mehr gewinnen.
Trotz der übertriebenen Verallgemeinerungen lohnt die Lektüre des Buches, denn Crouch kritisiert überzeugend und kenntnisreich den zunehmenden Einfluss der Wirtschaft auf die staatlichen Institutionen. Verstand sich zu Hochzeiten der Arbeiterbewegung der Staat zumindest gelegentlich als Bändiger des Kapitalismus, so kommt es heute in der Tendenz zu einer Verschmelzung von Unternehmen und Staat. Konkret drückt sich das aus in der Zunahmen sog. Public-Private-Partnerships oder - wie unlängst auch in Deutschland bekannt wurde - in der direkten Mitarbeit von Unternehmensangestellten in Ministerien. Dies bringt in der Tat "eine besondere Klasse von Unternehmen mit privilegiertem Zugang zu politischen Entscheidungsträgern hervor". (S. 120) In diesem für ihn zentralen Punkt hat er völlig recht - nur, dass in eine Gesamtbewertung der Demokratie auch andere Aspekte einfließen sollten.
Paul Tiefenbach
978-3-518-12540-3, 978-3-5181-2540-3
978-3-51812-540-3, 978-3518125403, 978-3-51-812540-3
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