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ÜberGewicht. Der Kampf mit dem eigenen Körper

von Mathias Jung - ISBN 9783891891148

Gebundene Ausgabe, 210 Seiten
Veröffentlichung Nov 2005 bei Emu
Amazon-Verkaufsrang #27304
Bewertung 2.0/5.0 bei 2 Meinungen
neu: ab 11.00 Euro
gebraucht: ab 7.70 Euro
Autor: Mathias Jung
ISBN 9783891891148
ISBN 3891891148 (alt)

Meinung der Redaktion zu ÜberGewicht. Der Kampf mit dem eigenen Körper

Die Redaktion hat noch keinen Eintrag verfasst.

Kritik zu ÜberGewicht. Der Kampf mit dem eigenen Körper

Rausgeworfenes Geld! vom 29.01.2006
Bewertung: 1 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 88 von 100 Besuchern hilfreich

Seit vor über 20 Jahren Susie Orbachs „Anti-Diät-Buch“ erschienen ist, habe ich mich durch mehr oder minder die komplette Literatur zu diesem Thema gelesen – und bin immer noch neugierig auf Neuerscheinungen, auf neue Erkenntnisse, Erfahrungen und Wege anderer. Also habe ich mir auch dieses Buch gekauft. Nicht zuletzt wegen des Untertitels, der eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema erwarten ließ.
Was für eine Enttäuschung!!

Matthias Jung ist ausgewiesen Psychotherapeut und Philosoph. Gerade von einem solchen Menschen hätte ich weiß Gott mehr erwartet als eine Ansammlung von Platitüden, Halb- und Unwahrheiten. Und die werden dann auch noch im plump-vertraulichen Duz-Ton dargeboten.

Von Essstörungen hat der Mann keinen blassen Dunst. Von den vielfältigen und komplexen Ursachen von Übergewicht und Adipositas schon gar nicht. Wie sonst könnte er sich schon auf den ersten Seiten dazu versteigen zu behaupten, Schilddrüsenerkrankungen, Stoffwechselstörungen und genetische Disposition seien „Mogelpackungen“ und „Ausflüchte“. Die Spatzen der Wissenschaft pfeifen es von allen Dächern, dass es zu einem sehr hohen Maß eine Frage der Gene ist, ob man dick wird oder nicht. Es sei denn, man entscheidet sich für ein an jedem Tag extrem asketisches Leben. Und zwar von Anfang an und bis zum Ende. Es gibt dicke und dünne Menschen, so wie es kleine und große, schwarze und weiße gibt? Papperlapapp.

Die Tatsache, dass – auch das ist längst wissenschaftlich belegt - viele Dicke durch jahre- und jahrzehntelanges Diäten ihren Grundumsatz so heruntergefahren haben, dass sie auch von 800 oder 1000 Kalorien täglich nicht mehr abnehmen, verweist der Autor ins Reich der Märchen und unterstellt diesen Menschen, sie schwindelten uns was vor, äßen in der Öffentlichkeit Salat und zu Hause dann wieder Fast Food, Chips und Torten. Solche Klischees haben bestenfalls das Niveau unserer größten deutschen Tageszeitung mit den vier Buchstaben.

„Wir Essgestörte“ – so versucht Herr Jung eine gemeinsame Ebene herzustellen, wo keine ist. Offensichtlich hat der Mann mal eine Krise gehabt, ein wenig frustgefressen und dann wieder abgenommen. Kommt in den besten Familien vor. Manifeste Essstörungen über viele Jahre, häufig Jahrzehnte hinweg sind was anderes, das wissen sowohl Betroffene als auch Therapeuten nur zu gut. Essstörungen sind eine Krankheit, der man kaum beikommt, wenn man zum einen empfiehlt, man möge sich vor dem Spiegel nackt betrachten und sich seiner Hässlichkeit versichern, und den Menschen zum anderen mitgibt, sie müssten sich nur vollwertig ernähren, dann würde alles wie von Zauberhand gut. Abgesehen davon, dass die sogenannte Vollwerternährung keineswegs unumstritten ist, ist es genauso ein Irrglaube, dass man davon abnimmt, wie es ein Irrglaube ist, alle Dicken würden sich mehr oder minder von Fast Food und Chips ernähren. Und alle Schwulen lieben ABBA, und alle Schwarzen können ganz toll tanzen, gell?

Weiter geht’s mit der beliebten Schlagzeile: Deutschland wird immer dicker.
Panik! Weltuntergang!
Der "Spiegel" hat 2000 zu den ersten gehört, die vor einer "Generation XXL" gewarnt haben. Laut der dort verwendeten Grafik hatte sich die Zahl der übergewichtigen Kinder von 1975 bis 1995 verdoppelt. Unter der Grafik war kleingedruckt zu lesen, die Studie sei (ausschließlich) in Halle und Jena durchgeführt worden, und zwar aufgrund einer "in Frankreich üblichen Definition von Übergewicht".
Diese französische Definition stammt aus den fünfziger bis siebziger Jahren, erfasste also auch noch die aus naheliegenden Gründen wesentlich schlankere Nachkriegsgeneration.
Und was war eigentlich mit dem Rest von Deutschland?
Erst 2001 wurde eine für Deutschland gültige Definition von kindlichem Übergewicht vorgestellt. Dann hat man nochmal gerechnet. Plötzlich waren nicht mehr 20-30 Prozent der Kinder übergewichtig, sondern nur noch 7-8. Allerdings waren diese Zahlen viel zu wenig spektakulär, um groß veröffentlicht werden zu können.

Aber schließlich ist jeder Dicke einer zuviel. Mathias Jung hält uns deshalb nochmal mahnend vor, welche bösen Krankheiten (natürlich alle) Dicken (und nur die) bekommen, wie sie damit der Gemeinschaft auf der Tasche liegen und der Volkswirtschaft schaden. Nach dem Motto: Ein bisschen (mehr) schlechtes Gewissen schadet nie.

Aber es kommt noch dicker – mit waschechten Beleidigungen: „Dummheit und Fehlinformation“ seien die größten Probleme beim „Übergewichtsproblem“, schwadroniert da der Autor. Ungeachtet der Tatsache, dass Heerscharen dicker Menschen – vor allem, wenn sie jahrzehntelange Diätkarrieren hinter sich haben – längst zu Ernährungsexperten geworden sind, die sehr genau Bescheid wissen. Und ungeachtet der Tatsache, dass ein steigender Bevölkerungsanteil mit Migrantenhintergrund auch einen steigenden Anteil dickerer Menschen bedeutet. Das nicht etwa deshalb, weil diese Menschen alle so dumm sind, sondern weil verschiedene Völker verschiedene Physiognomien haben. Das ist nicht neu, aber im Zeitalter des globalen Magerkeitswahns offenbar nicht länger hinzunehmen. Erstaunlicherweise stellen Wissenschaftler in Experimenten mit Schulkindern fest, dass gerade die Migrantenkinder noch die am besten ausgeprägten Geschmacksnerven haben, weil in ihren Familien häufig traditionell, sprich mit natürlichen Zutaten gekocht wird. Nix Chips, nix Fertiggerichte und Fast Food.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass die therapeutische Binsenweisheit der dringend notwendigen Selbstakzeptanz bzw. Selbstliebe hier keine Chance hat. Eigentlich ist sie aller (erfolgreicher) Therapie Anfang. Hier aber soll der Selbsthass motivieren, die Erkenntnis, wie unförmig und wenig schön man doch aussieht. Selbst ein liebender Partner wird nur als „Ausflucht“ abgetan.

Fazit: Ein Buch, mit dem ich etwas getan habe, was ich - aus Respekt vor dem Medium an sich – nur in absoluten Ausnahmefällen tue: Ich habe es in die Mülltonne geworfen. Schade um die 11 Euro.

Weitere ISBN:
978-3-891-89114-8, 978-3-8918-9114-8
978-3-89189-114-8, 978-3891891148, 978-3-89-189114-8
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