Verschlußsache BND
von Udo Ulfkotte - ISBN 9783453141438
Taschenbuch, 464 Seiten
Veröffentlichung Oct 1998 bei Heyne
Amazon-Verkaufsrang #20226
Bewertung 4.0/5.0 bei 20 Meinungen
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Autor: Udo Ulfkotte
ISBN 9783453141438
ISBN 3453141431 (alt)
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Kritik zu Verschlußsache BND
Seriös, realitätsnah und unparteiisch dargestellt vom 28.04.2008
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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Vielen gilt heute der BND als Lachnummer. Schon allein der bürokratisch und wenig aufregend klingende Name "Bundesnachrichtendienst" lässt Herzen von James-Bond-Fans eher wenig höher schlagen. Doch man irrt sich.
Der BND betreibt eine klassische "Understandment"-Politik. Im Gegensatz zu den martialisch anmutenden US-amerikanischen "Kollegen" (die Anführungszeichen werden in diesem Buch trefflich geklärt!) hält man sich bedeckt und scheut die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser.
Initiiert von den Amerikanern wurde als erster Präsidenten des BND Reinhard Gehlen, ehemaliger Wehrmachts-General und Leiter der "Abteilung Fremde Heere Ost" eingesetzt. Damals lief das Ganze noch unter der Chiffre Organisation Gehlen.
Das Buch beschäftigt sich nach einem kleinen Exkurs über die Spionage im Allgemeinen, zunächst mit Struktur und Aufbau der einzelnen Fachabteilungen sowie mit dem Werdegang der jeweiligen Geheimdienstleiter.
Anschließend nimmt man sich die ausländischen Geheimdienste zur Brust, berichtet über das weitläufige Feld der Manipulation und Desinformation und nimmt ausführlich Bezug zu dem drastisch veränderten Aufgabenfeld nach dem Ende des Kalten Krieges.
Die Detailinformationen welche hierbei Ulfkotte zu Tage fördert sind schon starker Tobak. Er nennt wo es nur irgendwie möglich ist Namen, Orte und Zeiten und versucht dies durch entsprechende Quellen und Belege zu untermauern.
Ebenso gründlich widmet man sich der organisierten Kriminalität und dem internationalen Waffenhandel. So brav wie der BND immer tut - ist er bei weitem nicht. Es sind aber auch keine staatlichen Auftragskiller wie es in den klischeehaften Ami-Agenten Filmen dargestellt wird. Ulfkotte bringt unvoreingenommen das Dilemma des deutschen Geheimdienstes zur Sprache: Die Agenten beziehen von Seiten der Regierung kaum Rückdeckung - obwohl gerade das Kanzleramt einer der Hauptadressaten der brisanten Informationen ist. Der BND betreibt seine Arbeit schließlich nicht zum Spaß sondern um die Bundesrepublik Deutschland zu schützen. Inwieweit jedoch auch der BND instrumentalisiert und zweckentfremdet wird, steht natürlich auf einem gänzlich anderen Blatt. Jedenfalls sucht man einen Schutzherrn der Agenten in den Reihen der rückgradlosen Volksvertreter vergeblich. Ausländische Geheimdienste besitzen hier meist westlich mehr Rückdeckung und auch einen hören Sympathiewert in der Öffentlichkeit.
Ulfkotte zeigt hier eindrucksvoll auf, dass sich die freie Presse leicht manipulieren lässt und das es die simple Einteilung in westliche, demokratische Gesellschaften und böse undemokratische Schurkenstaaten schon längst nicht mehr gibt - bzw. nie gegeben hat. Wir werden genauso von unseren Freunden wie von unseren Feinden abgehört. Ganz pragmatisch zeigt hier der Autor die fließenden Grenzen auf: Gestern noch Freund - heute Feind oder umgekehrt. Völlig normal auf dem internationalen Politparkett. Wenn eine gewisse taktische Interessenkongruenz besteht, arbeitet man zusammen wenn nicht, spioniert man sich eben gegenseitig aus. So einfach ist das. Wir werden eben heute nicht vorrangig von bösen Altkommunisten (mit Ausnahme von China - doch dies sehr nationalistisch ausgerichteten Asiaten verdienen / benutzen den Begriff kommunistisch als Propaganda-Etikett - nicht als Grundsatzprogramm) oder von finsteren moslemischen Bartträgern abgehört - sondern von den lieben europäischen und nordamerikanischen Verbündeten. Wirtschaftsspione gehört unter Freunden einfach mit zum guten Umgangston. Außer natürlich man fliegt auf - dann sind Dementis, Entschuldigungen und Distanzierungen von heuchlerischen Pressesprechern und Politkern an der Tagesordnung. Ein Irrenhaus der Desinformation. Die Medien täten gut daran diese Scheinheiligkeit einmal beim Namen zu nennen...
Doch zurück zum Buch:
Abgerundet wird das Werk von Gastübertragen der Autoren Heribert Hellenbroich ("Wirtschaftsspionage eine Aufgabe des BND?") und Gad Shimron ("Die Zusammenarbeit zwischen BND und Mossad") sowie dem üblichen Anhang.
Fazit:
Die Dichte der Fakten ist erschreckend. Doch leider wirkt sich diese Fülle bzw. Aneinanderreihung von Sachinformationen mit der Zeit ermüdend auf den Leser auf. Man braucht zwischendurch einfach mal eine Pause. Ansonsten ist es etwas bedauerlich, dass dieses gut recherchierte Sachbuch nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Dinge ist. Die hier rezensierte dritte erweitertete Auflage dürfte auf dem Informationsstand von 1997 liegen. Diese 11 Jahre merkt man natürlich. Obwohl es auch fraglich ist, ob Behörden bei aktuelleren Fällen sich auch so kooperativ gezeigt hätten...
Nichtsdestotrotz: Sachlich fundiert und unideologisch, dazu der günstige TB-Preis. In der Summe eine eindeutige Kaufempfehlung.
978-3-453-14143-8, 978-3-4531-4143-8
978-3-45314-143-8, 978-3453141438, 978-3-45-314143-8
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