Zu Fuß von München nach Venedig: Reise- und Erlebnisbericht vom Traumpfad über die Alpen
von Burkhard Wittek - ISBN 9783939518235
Broschiert, 325 Seiten
Veröffentlichung May 2007 bei Wiesenburg
Amazon-Verkaufsrang #48855
Bewertung 4.5/5.0 bei 9 Meinungen
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Autor: Burkhard Wittek
ISBN 9783939518235
ISBN 3939518239 (alt)
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Kritik zu Zu Fuß von München nach Venedig: Reise- und Erlebnisbericht vom Traumpfad über die Alpen
Über den Berg vom 12.08.2008
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Diese Kundenmeinung empfanden 2 von 3 Besuchern hilfreich
Der vorliegende Text ist der erste Teil einer auf 3 Bände angelegten Reihe über die Fußreisen des Helden Dr. h.c. Franz von Frömeling. Der zweite Teil, über die Reise nach Prag erschien 2008. Und auf den dritten Teil muss Witteks Fangemeinde wohl hoffentlich nur noch bis 2009 warten.
Es ist ein hervorragend angelegtes Reisebuch über einen Marsch auf dem von Ludwig Graßler ins Leben gerufenen Traumpfad von München nach Venedig. Während der Jakobsweg, wohl auch wegen Harpe Kerkelings Buch Ich bin dann mal weg in aller Munde ist, ist der Weg über die Alpen leider weit weniger bekannt. Zu Fuß von München nach Venedig sollte helfen, diesen Umstand zu beseitigen.
Alles, was zu einem guten, modernen Reisebuch gehört, ist vorhanden: Packlisten für den wichtigen Rucksack, Faktenblätter zu den 30 einzelnen Touren, Graßlers Etappeneinteilung, Höhenprofil und GPS Wegpunkte. Dazu kommen dann noch die meist recht lustigen und informativen Beschreibungen der einzelnen Etappen, mit Schilderungen der Strapazen, des fehlerhaften Schuhwerks, aber auch der Höhepunkte und herrlicher Landschaftsbeschreibungen: Hier hindurch floss der Gliderbach wie die schwingende Saite einer angeschlagenen Geige, links aber neben mir ein gewaltiger Bergrücken, der sich zum Hochfeiler hinzog, rechts mächtige Hangstürze mit felsigen Wänden und Spitzen darauf, deren Verlauf zum Horizont durch einen Vorberg noch nicht einsehbar war. (S. 172).
Um Gipfeleinsichten geht es dann auch auf der zweiten Ebene des Buches. Der Protagonist ist nämlich wohl gewählt: ein Computerfachmann, den es gilt, von seiner Zivilisationskrankheit, dem Glauben an die Schnell(leb)igkeit und den Rationalismus, zu heilen: Wenn der Wechsel das Beständige ist und sich der Halt, den man hat, in einer unermeßlichen Zahl von Haltungen auflöst, entsteht Haltlosigkeit. (S. 34). Genau daran krankt Frömeling. Doch Rettung ist in Sicht. Sie kommt und hier kommen wir zum Kernpunkt des Buches in Gestalt einer Liebesgeschichte zwischen Frömeling und seiner Muse Carina, die ihn auf den Weg bringt. Jedoch auch diese Liebesgeschichte ist wie so vieles im Leben - keine einfache und das Leben hält für die Liebenden leider nicht nur arkadische Trauben in petto.
Um dieses Arkadien rankt sich ja die Wanderung, und je weiter sie auf Venedig zusteuert, desto mehr ist sie mit italienischem Geist erfüllt. Auch ich in Arkadien!, wird Goethe zitiert. Dem arkadischen Geist tun auch die letzen Wandertage keinen Abbruch, die dem romantischen Italienbild jedoch schon einen herben Schlag versetzen.
Philosophie wird wie im antiken Rom großgeschrieben. Es geht um die großen Dinge, Freund- und Kameradschaft, wie zu leben sei, das Leben, den Tod, die Trennung. Gerade in den Diskussionen zwischen Frömeling und Carina, die zu dem Entschluss des ersteren, nach Venedig zu wandern, führen, werden zwei Lebensentwürfe gegenüber gestellt hier der technokratische, dort der ganzheitlich- fließende, dem Leben zugewandte. Am Ende des Buches, das auch als Bildungsroman durchgehen könnte, hat Carinas Weltsicht gesiegt, aber zu einem hohen Preis. Die philosophischen Überlegungen, die sich während der Wanderung schon andeuteten, kommen nochmals verstärkt auf und es wird klar: Frömeling hat viel gelernt über sich, aber auch über die Welt und die Natur, in denen er sich befindet, die er bis jetzt aber verleugnet hatte.
Das Buch ist daher auf alle Fälle schon für mindestens 2 Zielgruppen unerlässlich: 1. die Wanderer, die den Traumpfad in Angriff nehmen und sich durch ein fundiertes Reisebuch darauf vorbereiten wollen, und 2. die versierten LeserInnen, die sich mit Zeitkritik und Philosophie in belletristisch-philosophischer Form auseinander setzen wollen. Für beide hat dieses Buch viel zu bieten. Wittek ist ein Meister darin, philosophische Einsichten narrativ zu umhüllen und bei all dem Lesespaß merkt man erst in der Reflektion, dass tiefgreifende Phänomene einem vorgeführt wurden. Man/Frau darf gespannt sein, was die beiden nächsten Teile bringen.
978-3-939-51823-5, 978-3-9395-1823-5
978-3-93951-823-5, 978-3939518235, 978-3-93-951823-5
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